Arglose Menschen sind nicht zwangsweise ehrliche Menschen

Feb 25, 2011

Von Cheng Mingjie, Stadt Xi’an, Provinz Shaanxi

Ich betrachte mich als einen kontaktfreudigen und offenen Menschen. Ich spreche mit den Leuten auf eine sehr unkomplizierte Art; was immer ich sagen will, ich sage es – ich bin nicht der Typ, der um den heißen Brei herumredet. In meinen Interaktionen mit Menschen neige ich dazu, geradlinig und direkt zu sein. Oftmals werde ich betrogen oder verspottet, weil ich anderen so leicht Vertrauen schenke. Erst nachdem ich anfing, in die Kirche zu gehen, hatte ich das Gefühl, einen Ort gefunden zu haben, den ich mein Eigen nennen konnte. Ich dachte mir im Stillen: In der Vergangenheit hat mir meine Arglosigkeit Nachteile gebracht und mich anfällig dafür gemacht, von anderen getäuscht zu werden; aber in der Kirche möchte Gott ehrliche Menschen, also brauche ich mich nicht mehr wegen meiner Arglosigkeit zu sorgen. Ich fühlte mich besonders getröstet, als ich hörte, dass Gott die Ehrlichen und Einfachen liebt und dass nur den Ehrlichen Gottes Errettung zuteilwird. Als ich sah, welche Qualen meine Brüder und Schwestern durchlebten, als sie begannen, ihre betrügerische Natur zu erkennen, sie jedoch nicht ändern konnten, fühlte ich mich sogar noch erleichterter, denn so ehrlich und direkt wie ich war, würden mir solche Qualen erspart bleiben. Eines Tages jedoch, nachdem ich eine Offenbarung von Gott erhalten hatte, erkannte ich schließlich, dass ich nicht die ehrliche Person war, die ich zu sein glaubte.

Arglose Menschen sind nicht zwangsweise ehrliche Menschen

Eines Tages hörte ich Gott in Seinem gemeinschaftlichen Austausch sagen: „Menschen, die ehrlich sind, besitzen die Wahrheit, sie sind nicht erbärmlich, elend, dumm oder einfältig. … Und kröne dich daher nicht mit dieser Krone in dem Glauben, dass du ehrlich seist, da du in der Gesellschaft leidest, diskriminiert und herumgeschubst und von jedem betrogen wirst, den du triffst. Dies ist ganz und gar falsch. … Ehrlich zu sein ist nicht so, wie die Menschen sich das vorstellen: Menschen sind nicht ehrlich, nur weil sie direkt sind und freimütig sind. Manche Menschen mögen in ihrer Sprechweise von Natur aus direkt sein, aber direkt zu sein bedeutet nicht, dass sie keine Falschheit besitzen. Falschheit ist die Motivation der Menschen und ihre Disposition. Wenn Menschen in dieser Welt leben, unter dem Einfluss der Verderbtheit Satans, ist es ihnen unmöglich, ehrlich zu sein; sie können nur immer betrügerischer werden.“ („Die grundlegendste Praxis, eine ehrliche Person zu sein“ in „Aufzeichnungen der Vorträge Christi“) Gottes Worte waren eine perfekte Beschreibung meiner Situation. In der Tat hatte ich immer gedacht, die Tatsache, dass ich Dinge nicht durch die Blume sage und oft von anderen betrogen werde, bedeute irgendwie, in mir gäbe es nichts Betrügerisches oder Arglistiges. Daher bezog ich mich nie persönlich auf Gottes Ausführung von Heimtücke und List im Menschen; stattdessen krönte ich mich selbst als die Quintessenz von Ehrlichkeit. Ich dachte, jeder andere sei betrügerisch und ich sei irgendwie anders und mit dieser Ehrlichkeit geboren. Mein Denken war abscheulich für Gott. Zu diesem Zeitpunkt erinnerte ich mich an einen anderen Abschnitt von Gottes Worten: „Ehrlichkeit bedeutet, Gott sein Herz zu geben; niemals falsches Spiel mit Ihm zu treiben; in allem offen mit Ihm zu sein, niemals die Wahrheit zu verheimlichen; nie etwas zu tun, was jene über einem täuscht und jene unter einem irreführt; und nie etwas zu tun, nur, um sich bei Gott beliebt zu machen. Kurz gesagt, ehrlich zu sein bedeutet, in seinen Handlungen und Worten von Unreinheiten abzusehen und weder Gott noch Mensch zu täuschen. … Wenn deine Worte voller Entschuldigungen und wertlosen Rechtfertigungen sind, sage Ich, dass du jemand bist, der äußerst widerwillig die Wahrheit in die Praxis umsetzt. Wenn du viele Heimlichkeiten hast, die du ungern teilst, und du äußerst widerwillig deine Geheimnisse – das heißt, deine Schwierigkeiten – vor anderen offenlegst, um nach dem Weg des Lichtes zu suchen, dann sage Ich, bist du jemand, der die Errettung nicht leicht erhalten wird und der nicht leicht aus der Finsternis hervorkommen wird. Wenn es dir viel Freude bereitet, nach dem Weg der Wahrheit zu suchen, dann bist du jemand, der ständig im Licht lebt. Wenn du gern ein Dienender im Hause Gottes bist, fleißig und gewissenhaft in Dunkelheit arbeitest, immer gibst, aber niemals nimmst, dann sage Ich, bist du ein ergebener Heiliger, weil du nach keiner Belohnung strebst, sondern einfach ein ehrlicher Mensch bist. Wenn du bereit bist, offen zu sein, wenn du bereit bist, dein Alles aufzuwenden; wenn du imstande bist, dein Leben für Gott zu opfern und Zeugnis abzulegen; wenn du in dem Ausmaß ehrlich bist, dass du nur daran denkst, Gott zufriedenzustellen und niemals an dich selbst denkst oder für dich selbst nimmst, dann sage Ich, dass diese Menschen jene sind, die im Licht genährt werden und die in Ewigkeit im Königreich leben werden.“ („Drei Ermahnungen“ in „Das Wort erscheint im Fleisch“) Gottes Worte ließen mich erkennen, dass das, was Gott wirklich mit Ehrlichkeit meint, jemand ist, der Gott sein Herz schenkt, ohne Gedanken an seinen persönlichen Fortschritt oder zukünftigen Pläne. Es gibt keinen Handel mit Gott, keinen Anspruch auf Bezahlung: Eine ehrliche Person lebt, um Gott zufriedenzustellen. Ein ehrlicher Mensch ist Gott in höchstem Maße treu und versucht niemals, Ihn zu täuschen. Beim Erfüllen ihrer Pflichten sind sie fleißig und versuchen niemals, sich herauszuschummeln oder nur so zu tun, als ob. Die Ehrlichen sind in allen Dingen vor Gott offen und sind ebenfalls bereit, ihre privaten Angelegenheiten und persönlichen Probleme mit ihren Brüdern und Schwestern zu teilen. Ehrliche Menschen erzählen nicht die abgemilderte Version einer Geschichte, sie nennen die Dinge beim Namen. Ehrliche Menschen halten die Wahrheit hoch und sind menschlich. Was mich angeht, so hatte ich nicht verstanden, was es hieß, ein ehrlicher Mensch zu sein. In meiner weltlichen Beurteilung der Dinge war Gottes „ehrlicher Mensch“ jemand, den wir in der säkularen Welt einen „arglosen Menschen“ nennen. Ich hatte keine Ahnung, dass Gottes „ehrlicher Mensch“ und mein „ehrlicher Mensch“ nur sehr wenig gemeinsam hatten. Wie ignorant ich war, wie lächerlich!

Satan verdirbt die Menschen seit Tausenden von Jahren: Wir alle wachsen in einem Umfeld auf, das von der Abscheulichkeit und dem Bösen Satans durchdrungen ist. Unsere Worte und unser Verhalten, die Art, wie wir uns in der Gesellschaft betragen, sind alle dem Geheiß Satans unterworfen. „Denke nach, bevor du sprichst, und sprich dann mit Zurückhaltung,“ „Jeder für sich und den Letzten holt der Teufel,“ „Mit gespaltener Zunge sprechen“ – diese berühmtesten Sätze Satans sind bereits fest im kollektiven Unbewussten der Menschen verwurzelt: Sie sind wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, auch wenn sie uns zu Heimtücke und List treiben. Angesichts der Tatsache, dass die gesamte Menschheit von Verrat und Heimtücke befallen ist, was hat mich dazu bewegt zu denken, ich sei irgendwie immun oder von Natur aus ehrlich? Ich spreche ohne Umschweife und ohne Mehrdeutigkeit, da ich ein aufrichtiger und offener Mensch bin. Ich werde oft von anderen betrogen, weil ich ignorant und dumm bin, aber das heißt nicht, dass ich wirklich ein ehrlicher Mensch bin. Wenn ich zurückdenke, wie oft habe ich Vortäuschung und Lügen verwendet, um meinen Ruf und mein Ansehen zu bewahren? Wie viele Male habe ich mich der Angst über meine Zukunftsaussichten hingegeben, anstatt mit reinem und ungespaltenem Herzen an Gott zu glauben? Ich befürchtete, ich würde mit nichts dastehen, wenn ich alles für Gott aufgab, daher wollte ich immer ein Versprechen von Gott, eine Garantie, dass ich eines Tages in Sein Königreich eintreten würde. Nur auf diesem Wege würde ich dazu fähig sein, die Wahrheit rückhaltlos und ohne Sorge zu suchen. Wie viele Male war ich Gott untreu und machte viel Aufhebens um kleine Verluste und Gewinne bei der Erfüllung meiner Pflichten? Und wie viele Male fasste und brach ich Vorsätze, „wohlklingende aber leere Worte“ sprechend, um mich bei Gott einzuschmeicheln? Wie viele Male habe ich es unterlassen, mich gegenüber meinen Brüdern und Schwestern zu öffnen und meine persönlichen Probleme und privaten Angelegenheiten mit ihnen zu teilen, aus Angst, sie würden auf mich herabblicken? Wie viele Male sprach ich nur das aus, von dem ich glaubte, es würde mir persönlichen Nutzen einbringen, war immer wachsam und anderen gegenüber misstrauisch? … Zurückblickend scheint es, als seien meine Gedanken, Worte und Taten alle mit Heimtücke und Täuschung gefüllt gewesen. Daher waren meine Vorstellung von Glauben, meine Beiträge, meine Interaktionen mit anderen und mit Gott und die Erfüllung meiner Pflichten alle mit Heimtücke verseucht. Man könnte sagen, ich lebte in jedem Augenblick im Einklang mit Verrat in seiner konzentriertesten Form. Ich bin nicht im entferntesten eine ehrliche Person.

Danke, Gott, dass Du mich erleuchtet hast, dass Du mir gezeigt hast, dass ehrliche Menschen nicht nur offen sprechen und arglos sind, sondern vielmehr die Besitzer von Wahrheit und Menschlichkeit. Ich danke Dir auch dafür, dass ich nach Gottes Definition nicht ehrlich bin, sondern ein Mensch, der von der heimtückischen Natur Satans befallen ist, einer Heimtücke, die Gott entlarvet hat. Lieber Gott, von nun an werde ich alles tun, ein ehrlicher Mensch zu werden. Ich bitte Dich, mich zu enttarnen und mir zu ermöglichen, ein tieferes Verständnis meiner eigenen heimtückischen Natur zu haben, so dass ich mich selbst verachte, mein Fleisch verweigere und bald ein ehrlicher Mensch sein werde, der Wahrheit und Menschlichkeit besitzt.

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