34. Als ich von der Krankheit meiner Mutter erfuhr
Im Mai 2023 tat ich meine Pflicht fern von zu Hause. Eines Tages erhielt ich einen Brief aus meiner Heimatstadt, in dem stand, dass meine Mutter einige Jahre zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt war. Ich konnte gar nicht glauben, dass das stimmte. Als ich mir meine Mutter nach einem Schlaganfall vorstellte, brach ich in Tränen aus. Ich dachte bei mir: „Weil die KPCh mich verfolgt und nach mir fahndet, bin ich seit fast neun Jahren nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Meine nichtgläubigen Familienmitglieder und Verwandten hätten mit Sicherheit nach mir gesucht. Haben sie sie vielleicht ständig befragt, sodass sie unter dem enormen Druck einen Schlaganfall bekam? Niemand in meiner Familie glaubt an Gott, sie verfolgen meine Mutter sogar. Werden sie sich wirklich gut um sie kümmern? Besonders mein Bruder und meine Schwägerin: Jetzt, wo Mama einen Schlaganfall hatte, kann sie nicht nur kein Geld mehr verdienen, sondern ihnen auch nicht mehr bei den Kindern helfen. Stattdessen ist sie auf ihre Pflege angewiesen. Man sagt ja: ‚Lange Krankheit am Bett zehrt die Kindespflicht auf.‘ Werden sie auf Dauer die Geduld haben, für sie zu sorgen? Werden Verwandte, Freunde und Nachbarn ihr gegenüber verletzende Bemerkungen machen? Wenn das passiert, muss meine Mutter nicht nur die Qualen der Krankheit ertragen, sondern auch seelische Schmerzen durchleiden. Wird sie diese Situation überwinden können?“ Damals wollte ich am liebsten sofort nach Hause fahren, um mich um meine Mutter zu kümmern, aber ich konnte nicht, weil die KPCh mich verfolgte und verhaften wollte. Ich dachte daran, dass sie mich ja zur Welt gebracht, großgezogen und mein Studium ermöglicht hatte. Unser Leben zu Hause war hart; meine Mutter sparte an allen Ecken und Enden und nahm sogar die Belastung durch einen hochverzinsten Kredit auf sich, nur um mich auf die Universität schicken zu können. In den letzten neun Jahren hatte ich mich nicht um sie kümmern können, und selbst jetzt, nach ihrem Schlaganfall, konnte ich nicht nach Hause, um sie zu pflegen. Meine Mutter hatte einen so hohen Preis für mich bezahlt, aber ich als ihre Tochter hatte nicht die geringste meiner Kindespflichten ihr gegenüber erfüllt. Ich fühlte mich tief in ihrer Schuld. All die Jahre hatte ich mich immer darauf gefreut, meine Mutter eines Tages wiederzusehen und von Herzen ein langes Gespräch mit ihr zu führen. Doch dieser Traum war nun vollkommen geplatzt. Nach dem Schlaganfall konnte meine Mutter nicht einmal mehr normal sprechen, geschweige denn ein langes, inniges Gespräch führen. Je mehr ich darüber nachdachte, desto größer wurde meine Qual. Selbst während meiner Pflicht fand ich keine innere Ruhe. Das Bild meiner von Krankheit gequälten Mutter tauchte immer wieder vor meinem inneren Auge auf, und die Tränen liefen mir unaufhörlich über das Gesicht.
Nachts wälzte ich mich im Bett hin und her und fand keinen Schlaf. Meine Gedanken kreisten nur noch um das Bild meiner Mutter nach ihrem Schlaganfall; ich war völlig in meiner Zuneigung für sie gefangen. Mir wurde bewusst, dass mein Zustand falsch war und ich meine Pflicht definitiv nicht gut würde tun können, wenn es so weiterginge. Wir befinden uns gerade in einer entscheidenden Phase bei der Verbreitung des Evangeliums. Ich musste meinen Zustand so schnell wie möglich anpassen und mein Herz neu auf meine Pflicht ausrichten. In diesem Moment fiel mir die Erfahrung Hiobs ein. Über Nacht verlor Hiob seine Rinder und Schafe, die die Hänge bedeckt hatten, seine Kinder starben und sein ganzer Körper wurde von bösen Geschwüren übersät. Angesichts dieser gewaltigen Prüfung und dieses großen Schmerzes beklagte sich Hiob mit keinem einzigen Wort bei Gott. Er sagte sogar: „Jehova hat’s gegeben, Jehova hat’s genommen; der Name Jehovas sei gelobt“ (Hiob 1,21). Als meine Mutter nun diesen Schlaganfall erlitten hatte, verstand ich Gottes Absicht zwar nicht vollständig, aber ich wusste, dass Gott mich durch dieses Ereignis prüfte und auf die Probe stellte. Ich musste es Hiob gleichtun. Auf keinen Fall durfte ich mit meinen Lippen sündigen, indem ich mich über Gott beklagte, und ich durfte auch nicht meiner Pflicht den Rücken kehren und Gott verraten. Bei diesem Gedanken beruhigte sich mein Herz allmählich.
Eines Morgens sah ich ein Erfahrungszeugnis-Video mit dem Titel „Als bei Mama Krebs diagnostiziert wurde“. Ein darin zitierter Abschnitt aus Gottes Worten berührte mich zutiefst. Der Allmächtige Gott sagt: „Dass deine Eltern schwer krank werden oder ihnen ein großes Unglück widerfährt, ist das, was sie erfahren müssen. Im Leben eines Menschen ist es ganz normal, Geburt, Altern, Krankheit und Tod zu erleben und mit verschiedenen bedeutenden und unbedeutenden Angelegenheiten konfrontiert zu werden. Wenn du erwachsen bist, dann solltest du diesen Angelegenheiten ruhig und korrekt begegnen. Mache dir keine übermäßigen Selbstvorwürfe und fühle dich nicht übermäßig verschuldet, weil du nicht in der Lage bist, dich um deine Eltern zu kümmern, und investiere erst recht nicht zu viel Energie in diese Sache und beeinträchtige so dein Streben nach der Wahrheit und die gute Ausführung deiner Pflicht. Manche Leute denken, dass Eltern krank werden, weil sie ihre Kinder vermissen. Ist das so? Manche Leute haben ihre Kinder das ganze Jahr über an ihrer Seite, aber werden sie nicht trotzdem krank? Wann Menschen in ihrem Leben krank werden und welche Krankheiten sie in ihrem Leben bekommen, ist alles von Gottes Hand orchestriert und hat nichts damit zu tun, ob ihre Kinder an ihrer Seite sind oder nicht. Wenn Gott nicht als Teil ihres Schicksals arrangiert hat, dass deine Eltern krank werden, dann wird ihnen nichts zustoßen, selbst wenn du nicht bei ihnen bist. Wenn es ihnen in ihrem Leben bestimmt ist, eine Krankheit oder ein großes Unglück zu erleben, was kannst du dagegen tun, selbst wenn du an ihrer Seite bist? Sie werden es trotzdem nicht vermeiden können, nicht wahr? (Ja.) Es ist nur so, dass du als ihr Kind aufgrund dieser Blutsbande mit deinen Eltern bestürzt bist, wenn du hörst, dass sie krank sind. Das ist ganz normal. Es ist jedoch nicht nötig, dass du darüber nachdenkst, wie du deinen Eltern helfen kannst, sich von ihrem Schmerz zu befreien oder ihre Schwierigkeiten zu lösen, weil sie krank sind oder ihnen ein großes Unglück widerfährt. Deine Eltern haben solche Dinge schon ziemlich oft erlebt. Wenn Gott eine Umgebung anordnet, um solche Probleme aus der Welt zu schaffen, werden sie früher oder später vollständig verschwinden. Wenn diese Probleme Hürden in ihrem Leben darstellen und Dinge sind, die sie erfahren müssen, dann können sie sie nicht vermeiden, und es liegt an Gott, wie lange sie sie erleben müssen; Menschen können das nicht ändern. Wenn du mit deiner eigenen Kraft versuchen willst, diese Probleme zu lösen, und ihre Ursachen und Folgen analysieren und untersuchen willst, ist das eine törichte Idee und vollkommen unnötig. So etwas solltest du nicht tun. Du brauchst nicht zu viel Energie aufzuwenden, um Leute zu finden, die ihnen helfen, oder die besten Ärzte zu finden oder das beste Krankenhausbett für sie zu organisieren – du brauchst dir nicht den Kopf zu zerbrechen und all das zu tun. Wenn du wirklich überschüssige Energie hast, solltest du die Pflicht, die du zu der Zeit tun solltest, gut ausführen. Deine Eltern haben ihr eigenes Schicksal. Niemand kann dem Alter entkommen, in dem er sterben soll. Deine Eltern sind nicht die Gebieter über dein Schicksal, und ebenso wenig bist du der Gebieter über das Schicksal deiner Eltern. Was kannst du dagegen tun, wenn es vorherbestimmt ist, dass ihnen etwas zustößt? Welche Wirkung kann dadurch erreicht werden, dass du besorgt bist und nach Lösungen suchst? Dadurch kann nichts erreicht werden; es hängt von den Absichten Gottes ab. Wenn Gott sie zu sich nehmen will, sodass du dir zu Hause keine Sorgen machen musst und deine Pflicht in aller Ruhe und mit voller Konzentration tun kannst, kannst du dich dann einmischen? Kannst du Gott Bedingungen vorschlagen? Was solltest du zu diesem Zeitpunkt tun? Du solltest dich Gottes Orchestrierungen und Anordnungen unterwerfen. Wenn sich jemand den Kopf zerbricht, um Lösungen zu finden, nachforscht und analysiert, sich selbst die Schuld gibt und sich seinen Eltern gegenüber verschuldet fühlt – sind das die Gedanken und Handlungsweisen, die ein Mensch haben sollte? (Nein.) Das alles sind Äußerungsformen mangelnder Unterwerfung unter Gott und die Wahrheit; sie sind irrational, unklug und rebellisch gegenüber Gott. Menschen sollten keine derartigen Äußerungsformen aufweisen. Verstehst du? (Ja.)“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (17)). Aus Gottes Worten verstand ich, dass es schon längst von Gott vorherbestimmt ist, wie viel Leid ein Mensch in seinem Leben erträgt, welche schweren Krankheiten er bekommt und wie viele Rückschläge er erleben soll, und dass dies nichts mit objektiven Faktoren zu tun hat. Es stand im Schicksal meiner Mutter geschrieben, dass sie krank werden würde. Wie viele Jahre sie diese Krankheit erfahren würde, ob sie vollständig geheilt werden könnte und ob am Ende Nachwirkungen blieben – all das hatte Gott bereits vorherbestimmt. Ich aber erkannte Gottes Herrschaft nicht und analysierte und untersuchte stattdessen weiter. Ich glaubte, sie hätte den Schlaganfall erlitten, weil ich all die Jahre nicht nach Hause gekommen war und meine nichtgläubigen Familienmitglieder und Verwandten sie so verfolgt hatten, dass sie den Druck nicht mehr aushalten konnte. Ich sorgte mich auch, dass meine Familie sich nach dem Schlaganfall nicht um sie kümmern würde und dass Verwandte, Freunde und Nachbarn verletzende Bemerkungen machen könnten, die ihr doppeltes Leid an Körper und Seele zufügen würden. Wegen der Verfolgung und der drohenden Verhaftung durch die KPCh konnte ich nicht nach Hause, um mich um sie zu kümmern. So war ich ständig in ihrer Schuld, und mein Herz war völlig von ihrer Krankheit in Beschlag genommen. Ich konnte mich nicht einmal bei meiner Pflicht beruhigen. Jetzt wurde mir klar, dass der Schlaganfall meiner Mutter nichts damit zu tun hatte, ob ich an ihrer Seite war oder nicht. Wäre ich bei ihr gewesen, wäre sie der Krankheit nicht entgangen, und würde ich jetzt nach Hause eilen, um sie zu pflegen, würde das ihre Krankheit weder lindern noch heilen. Es war wie damals, als meine Großmutter an Speiseröhrenkrebs und meine Tante an Leberkrebs erkrankten. Meine Mutter zerbrach sich den Kopf, um Behandlungsmöglichkeiten für sie zu finden, gab viel Geld aus und besuchte sie oft. Am Ende starben sie aber trotzdem. Daran wurde mir deutlich, dass Gott bereits vorherbestimmt hat, welche Krankheiten ein Mensch in seinem Leben bekommt und wann er sterben wird. Ganz gleich, was Menschen versuchen oder wie sie sich um die Kranken kümmern, sie können daran absolut nichts ändern. Selbst wenn ich bei meiner Mutter geblieben wäre und mich um sie gekümmert hätte, hätte sie diese Krankheit trotzdem bekommen. Durch die Enthüllung dieser Tatsachen wurde mir klar, dass meine Sichtweise, obwohl ich seit vielen Jahren an Gott glaubte, immer noch die eines Nichtgläubigen war. Ich verstand Gottes Herrschaft nicht. Bei diesem Gedanken schämte ich mich zutiefst und war bereit, zu Gott umzukehren. Ich wollte die Krankheit meiner Mutter ganz in Gottes Hände legen und mich Seinen Orchestrierungen ausliefern, egal, ob es besser würde oder nicht, und mich auf keinen Fall beklagen. Allmählich besserte sich mein Zustand erheblich. Manchmal dachte ich noch an die Krankheit meiner Mutter, aber der Schmerz in meinem Herzen ließ nach, und ich konnte mich wieder ganz meiner Pflicht widmen.
Eines Tages, als ich mich mit ein paar Schwestern unterhielt, erwähnte ich unbeabsichtigt den Schlaganfall meiner Mutter. Mir stiegen die Tränen in die Augen, und mein Geist war erfüllt mit Bildern meiner Mutter, wie sie für mich sorgte und meinen Glauben an Gott unterstützte. Später suchte ich nach einer Antwort: Warum empfand ich so großen Schmerz, als ich vom Schlaganfall meiner Mutter erfuhr? Wie konnte ich aus diesem Zustand herausfinden? Bei meiner Suche las ich zwei Abschnitte aus Gottes Worten: „Gott schuf diese Welt und brachte den Menschen, ein lebendiges Wesen, dem Er das Leben schenkte, in sie hinein. Im Folgenden bekam der Mensch Eltern und Verwandtschaft und war nicht länger allein. Seitdem der Mensch diese materielle Welt zum ersten Mal erblickte, war er dazu bestimmt, innerhalb der Vorbestimmung Gottes zu existieren. Es ist der Lebenshauch Gottes, der jedes einzelne Lebewesen während seiner gesamten Entwicklung bis ins Erwachsenenalter unterstützt. Während dieses Prozesses hat niemand das Gefühl, dass der Mensch unter der Fürsorge Gottes existiert und heranwächst; vielmehr ist man der Meinung, dass der Mensch unter der Gnade der elterlichen Erziehung heranwächst und dass es sein eigener Lebensinstinkt ist, der sein Wachstum antreibt. Denn der Mensch weiß nicht, wer ihm sein Leben geschenkt hat oder woher es kam, geschweige denn die Art und Weise, wie der Instinkt des Lebens Wunder hervorbringt. Er weiß nur, dass Nahrung die Grundlage ist, auf der sein Leben fortbesteht, dass Beharrlichkeit die Quelle der Existenz seines Lebens ist und dass die Überzeugungen in seinem Verstand das Kapital sind, wovon sein Überleben abhängt. Der Mensch ist sich der Gnade Gottes und der Versorgung durch Gott völlig unbewusst und so verschwendet er das Leben, das ihm von Gott geschenkt wurde …“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Gott ist die Quelle menschlichen Lebens). „Lasst uns darüber sprechen, wie man ‚Deine Eltern sind nicht deine Gläubiger‘ interpretieren sollte. Deine Eltern sind nicht deine Gläubiger – ist das nicht eine Tatsache? (Es ist eine Tatsache.) Weil es eine Tatsache ist, ist eine Erklärung des darin enthaltenen Sachverhalts angebracht. Wir wollen uns die Tatsache, dass deine Eltern dich zur Welt gebracht haben, ansehen. Wessen Entscheidung war es, dich zur Welt zu bringen? Deine oder die deiner Eltern? Wenn man es aus der Perspektive Gottes betrachtet, ist dies keine Entscheidung, die Menschen treffen können. Du hast dich nicht dafür entschieden, von deinen Eltern geboren zu werden, und deine Eltern haben sich nicht dafür entschieden, dich auf die Welt zu bringen. Wenn man die Wurzel dieser Angelegenheit betrachtet, wurde dies von Gott bestimmt. Wir lassen dieses Thema vorerst beiseite, da diese Sache leicht zu verstehen ist. Aus deiner Perspektive wurdest du passiv von deinen Eltern geboren, du hattest keine Wahl. Aus der Perspektive deiner Eltern war es ihre subjektive Bereitschaft, Kinder zu bekommen und großzuziehen. Mit anderen Worten: Wenn man Gottes Bestimmung außer Acht lässt, dann waren es deine Eltern, die alle Macht hatten, als es darum ging, Kinder zu bekommen und großzuziehen. Sie trafen die Wahl, dich zur Welt zu bringen. Du wurdest passiv von ihnen geboren. Du hattest in dieser Angelegenheit keine Wahl. Da also deine Eltern die ganze Macht hatten, und da sie dich zur Welt gebracht haben, unterliegt ihnen die Verpflichtung und Verantwortung, dich zu einem Erwachsenen heranzuziehen. Ob es darum geht, dir eine Bildung zu ermöglichen oder dich mit Essen und Kleidung zu versorgen, dies ist ihre Verantwortung und ihre Verpflichtung, und das ist, was sie tun sollten. Wohingegen du während dieser Zeit, in der sie dich großzogen, immer passiv warst; du hattest kein Recht, zu entscheiden – du musstest von ihnen großgezogen werden. Weil du jung warst, warst du nicht imstande, für dich selbst zu sorgen; du hattest keine andere Wahl, als dich passiv von deinen Eltern großziehen zu lassen. Wie auch immer deine Eltern dich erzogen haben, du hattest darauf keinen Einfluss. Wenn sie dir etwas Gutes zu essen und zu trinken gaben, dann hattest du gutes Essen und gute Getränke. Wenn deine Eltern dir ein Lebensumfeld zur Verfügung stellten, in dem du dich zum Überleben von Spreu und wilden Pflanzen ernährtest, dann ernährtest du dich von Spreu und wilden Pflanzen, um zu überleben. Jedenfalls warst du passiv, als man dich großzog, und deine Eltern sind dabei ihrer Verantwortung nachgekommen. Es ist dasselbe, wie wenn deine Eltern sich um eine Blume kümmern. Da sie sich um die Blume kümmern wollen, düngen und gießen sie die Blume und sorgen für Sonnenlicht. Was also die Menschen betrifft, egal, ob deine Eltern gewissenhaft für dich gesorgt oder sich hingebungsvoll um dich gekümmert haben, sie sind lediglich ihrer Verantwortung und Verpflichtung nachgekommen. Unabhängig davon, aus welchem Grund sie dich großzogen, es war ihre Verantwortung – da sie dich zur Welt brachten, sollten sie die Verantwortung für dich übernehmen. Kann man auf dieser Grundlage alles, was deine Eltern für dich getan haben, als Güte ansehen? Das kann man nicht, oder? (Richtig.) Dass deine Eltern ihrer Verantwortung dir gegenüber nachkommen, zählt nicht als Güte – zählt es als Güte, wenn sie ihrer Verantwortung gegenüber einer Blume oder Pflanze nachkommen, indem sie sie gießen und düngen? (Nein.) Das ist noch weiter von Güte entfernt. Blumen und Pflanzen wachsen im Freien besser – wenn man sie in den Boden pflanzt, und es Wind, Sonne und Regenwasser gibt, gedeihen sie noch besser. Wenn man sie in einen Topf im Haus pflanzt, wachsen sie nicht so gut und entwickeln sich nicht so gut wie im Freien! In welche Familie man auch hineingeboren wird, ist von Gott bestimmt. Du bist ein Mensch, der Leben besitzt, und Gott übernimmt die Verantwortung für jedes Leben, befähigt die Menschen zum Überleben und dazu, das Gesetz zu befolgen, an das sich alle Geschöpfe halten. Es ist nur so, dass du als Mensch in der Umgebung gelebt hast, in der deine Eltern dich großgezogen haben, also solltest du in dieser Umgebung aufgewachsen sein. Dass du in dieser Umgebung geboren wurdest, ist Gottes Bestimmung; dass du von deinen Eltern bis ins Erwachsenenalter großgezogen wurdest, ist ebenfalls Gottes Bestimmung. Jedenfalls kommen deine Eltern, wenn sie dich aufziehen, einer Verantwortung und Verpflichtung nach. Dich zu einem Erwachsenen heranzuziehen ist ihre Verpflichtung und Verantwortung, und das kann man nicht als Güte bezeichnen. Da man es nicht als Güte bezeichnen kann, kann man dann sagen, dass es etwas ist, was du genießen solltest? (Ja, das kann man.) Es ist eine Art Recht, das du genießen solltest. Du solltest von deinen Eltern großgezogen werden, denn bevor du das Erwachsenenalter erreichst, ist die Rolle, die du spielst, die eines Kindes, das großgezogen wird. Deshalb kommen deine Eltern dir gegenüber lediglich einer Art Verantwortung nach, die du einfach entgegennimmst, ganz bestimmt aber ist es keine Gunst oder Güte, die du von ihnen entgegennimmst“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (17)). Aus Gottes Worten verstand ich, dass Gott die Quelle des menschlichen Lebens ist und Er es ist, der mir den Lebensatem schenkt. Schon bevor ich geboren wurde, hatte Gott eine Familie und Eltern für mich bestimmt und während meines Aufwachsens stets über mich gewacht und mich beschützt. Er hat auch dafür gesorgt, dass Brüder und Schwestern mir das Evangelium predigten, sodass ich das Glück hatte, die Stimme Gottes zu hören und Seine Errettung zu empfangen. Von da an hörte ich auf, nach weltlichem Ruhm und Gewinn zu streben. All dies war Gottes Herrschaft und Anordnung. Oberflächlich betrachtet schien es, als hätte meine Mutter mich aufgezogen, aber auch das geschah durch Gottes Herrschaft und Vorherbestimmung. Mein Vater zog Jungen den Mädchen vor und mochte mich vom Tag meiner Geburt an nicht. Beim kleinsten Fehler schlug er mich und jedes Mal stellte sich meine Mutter schützend vor mich. Mein Vater wollte mich nicht auf die Oberschule gehen lassen, aber meine Mutter bestand darauf und nahm sogar den Druck eines hochverzinsten Kredits auf sich, damit ich studieren konnte. Nach meinem Abschluss fand ich keine Arbeit, stieß bei jedem Schritt auf verschlossene Türen und lebte in Elend und Verzweiflung. Eines Abends holte meine Mutter einige Schwestern, die mit mir über Gottes Worte Gemeinschaft hielten, um mir zu helfen und mich zu unterstützen, sodass ich aus meinem Elend und meiner Verzweiflung herausfand. Als ich mein Zuhause verließ, um meine Pflichten zu tun, unterstützte mich meine Mutter finanziell sehr und hielt mir auch zu Hause den Rücken frei, so dass ich nicht von meiner Familie verfolgt oder behindert wurde. All das, was meine Mutter während meines Aufwachsens und auf meinem Glaubensweg für mich getan hatte, war die Erfüllung ihrer Verantwortung und ihrer Verpflichtungen. Es waren die Pflichten, die sie nach meiner Geburt zu tragen hatte; es zählte nicht als Güte und war nichts, was ich zurückzahlen musste. Ich hatte aber die Art, wie meine Mutter mich großgezogen hatte und den Preis, den sie für mich zahlte, immer für eine Art der Güte gehalten. Das zusammen mit der Tatsache, dass ich von klein auf tief von traditionellen kulturellen Vorstellungen wie „Die Eltern zu ehren ist eine Tugend, die es über alles zu erheben gilt“ und „Ein Mensch, der seine Eltern nicht ehrt, ist niedriger als ein Tier“ vergiftet war, führte dazu, dass ich mich am Ende verpflichtet fühlte, die Güte meiner Mutter zu erwidern. Tat ich es nicht, so glaubte ich, würde ich sie im Stich lassen und mein Gewissen würde mich verurteilen. Als ich erfuhr, dass meine Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte und ich nicht nach Hause konnte, um sie zu pflegen, war mein Herz von Schuldgefühlen ihr gegenüber erfüllt, und ich konnte mich nicht einmal bei meiner Pflicht beruhigen. Jetzt sind die großen Katastrophen über uns hereingebrochen, und Gottes dringende Absicht ist es, dass mehr Menschen Seine Stimme hören, vor Seinen Thron zurückkehren und Seine Errettung empfangen. Wenn ich in diesem entscheidenden Moment der Evangeliumsverbreitung nur in meiner Zuneigung für meine Mutter gefangen bliebe und meine Pflicht nachlässig und oberflächlich behandelte, wäre das ein schwerer Verrat an Gott. Ich wäre dann wirklich ein Mensch ohne Gewissen und ohne jede Dankbarkeit. Gott hat mir das Leben geschenkt, mir die Gnade erwiesen, vor Ihn treten zu dürfen und mich mit den Worten des Lebens zu versorgen. Er hat mich auch bei zwei Autounfällen beschützt und vor Gefahr bewahrt. Wer weiß, wie oft ich ohne Gottes Fürsorge und Schutz schon gestorben wäre. Ohne Gottes Errettung würde ich immer noch wie ein Nichtgläubiger in Leere und Schmerz leben. Gottes Liebe für mich ist einfach unermesslich groß. Ihm sollte ich am meisten danken, und das, was ich am meisten tun sollte, ist, meine Pflicht gut zu tun, um Gottes Liebe zu vergelten.
Danach las ich einen weiteren Abschnitt aus Gottes Worten, in denen ich die Grundsätze der Praxis fand, wie ich mich meinen Eltern gegenüber verhalten sollte. Der Allmächtige Gott sagt: „Wenn es aufgrund deines Lebensumfelds und des Kontexts, in dem du dich wiederfindest, keinen Widerspruch darstellt, deine Eltern zu ehren und Gottes Auftrag zu vollenden und deine Pflicht auszuführen – oder, mit anderen Worten, wenn die Ehrung deiner Eltern deine treue Pflichtausführung nicht beeinträchtigt – dann kannst du beides gleichzeitig praktizieren. Du musst dich nicht nach außen hin von deinen Eltern trennen, und du musst ihnen nicht nach außen hin entsagen oder sie ablehnen. In welcher Situation trifft das zu? (Wenn es keinen Widerspruch darstellt, seine Eltern zu ehren und seine Pflicht auszuführen.) Das ist richtig. Mit anderen Worten, wenn deine Eltern nicht versuchen, deinen Glauben an Gott zu behindern, und sie ebenfalls gläubig sind und dich wirklich unterstützen und ermutigen, deine Pflicht treu auszuführen und Gottes Auftrag zu vollenden, dann ist deine Beziehung zu deinen Eltern keine fleischliche Beziehung zwischen Verwandten im üblichen Sinne des Wortes, sondern eine Beziehung zwischen Brüdern und Schwestern der Kirche. In diesem Falle musst du neben deiner Interaktion mit ihnen als Brüder und Schwestern der Kirche auch ein paar deiner Pflichten als Kind ihnen gegenüber erfüllen. Du musst dich ein bisschen mehr um sie kümmern. Solange das keine Auswirkung auf deine Pflichtausführung hat, das heißt, solange dein Herz nicht durch sie eingeschränkt wird, kannst du deine Eltern anrufen, um sie zu fragen, wie es ihnen geht, und um dich ein wenig mehr um sie zu kümmern, du kannst ihnen helfen, ein paar Schwierigkeiten zu beheben, und dich um einige ihrer Lebensprobleme kümmern und ihnen helfen, einige der Schwierigkeiten zu beheben, die sie im Hinblick auf ihren Lebenseintritt haben – all das kannst du tun. Mit anderen Worten, wenn deine Eltern deinen Glauben an Gott nicht behindern, solltest du diese Beziehung zu ihnen aufrechterhalten, und du solltest deiner Verantwortung ihnen gegenüber nachkommen. Und warum solltest du dich um sie kümmern, für sie sorgen und sie fragen, wie es ihnen geht? Weil du ihr Kind bist. Da du diese Beziehung zu ihnen hast, hast du eine andere Art von Verantwortung, und du musst dich ein wenig öfter nach ihnen erkundigen und ihnen mehr Unterstützung zukommen lassen. Solange sich das nicht auf deine Pflichtausführung auswirkt und solange deine Eltern deinen Glauben an Gott und deine Pflichtausführung nicht behindern oder stören und sie dich auch nicht zurückhalten, ist es natürlich und angebracht, dass du deine Verantwortung ihnen gegenüber erfüllst, und du musst es in dem Umfang tun, in dem dein Gewissen dich dafür nicht rügt – das ist der Mindeststandard, dem du entsprechen musst. Wenn du deine Eltern zu Hause nicht ehren kannst, weil dich deine Umstände beeinflussen und behindern, dann musst du dich nicht an diese Vorschrift halten. Du solltest dich der Gnade von Gottes Orchestrierungen aussetzen und dich Seinen Anordnungen unterwerfen, und du musst nicht darauf bestehen, deine Eltern zu ehren. Verurteilt Gott das? Gott verurteilt das nicht; Er zwingt Menschen nicht dazu. … Du hast eine Verantwortung, deine Eltern zu ehren, und wenn die Umstände es zulassen, kannst du diese Verantwortung erfüllen, aber du solltest dich nicht von deinen Gefühlen einschränken lassen. Wenn beispielsweise ein Elternteil erkrankt und ins Krankenhaus muss und es niemanden gibt, der sich um ihn kümmert und du zu beschäftigt mit deiner Pflicht bist, um nach Hause zurückzukehren, was solltest du dann tun? In Zeiten wie diesen darfst du dich nicht von deinen Gefühlen einschränken lassen. Du solltest die Sache dem Gebet übergeben, Gott damit betrauen und sie der Gnade von Gottes Orchestrierungen überlassen. Diese Art von Einstellung solltest du haben. Wenn Gott das Leben deines Elternteils nehmen und ihn dir wegnehmen will, dann solltest du dich trotzdem unterwerfen. Manche Menschen sagen: ‚Obwohl ich mich unterworfen habe, fühle ich mich trotzdem elend, und ich habe deswegen tagelang geweint, ist das kein fleischliches Gefühl?‘ Das ist kein fleischliches Gefühl, das ist menschliche Güte, es ist der Besitz von Menschlichkeit, und Gott verurteilt es nicht. Du darfst weinen, aber wenn du mehrere Tage lang weinst und nicht schlafen oder essen kannst und nicht in der Stimmung bist, deine Pflicht zu tun, und sogar nach Hause gehen und deine Eltern besuchen willst, dann kannst du deine Pflicht nicht gut tun, und du hast die Wahrheit nicht in die Praxis umgesetzt, was bedeutet, dass du deiner Verantwortung nicht nachkommst, indem du deine Eltern ehrst; du lebst inmitten deiner Gefühle. Wenn du deine Eltern ehrst, während du inmitten deiner Gefühle lebst, dann erfüllst du deine Verantwortung nicht und hältst dich nicht an Gottes Worte, weil du Gottes Auftrag aufgegeben hast und nicht jemand bist, der dem Weg Gottes folgt. Wenn du auf so eine Situation triffst und sie nicht zu Verzögerungen deiner Pflicht führt oder deine treue Pflichtausführung beeinträchtigt, dann kannst du tun, wozu du imstande bist, um deinen Eltern gegenüber Respekt zu zeigen, und du kannst der Verantwortung nachkommen, zu der du fähig bist. Kurz gesagt: Das sollten die Menschen im Rahmen ihrer Menschlichkeit tun und dazu sollten sie im Rahmen ihrer Menschlichkeit fähig sein. Wenn du dich von deinen Gefühlen gefangen nehmen lässt und das die Ausführung deiner Pflicht aufhält, dann steht das völlig im Widerspruch zu Gottes Absichten. Gott hat das nie von dir verlangt, Gott verlangt nur, dass du deiner Verantwortung gegenüber deinen Eltern nachkommst, das ist alles. Das bedeutet, Respekt gegenüber den Eltern zu haben. Wenn Gott davon spricht, man solle ‚seine Eltern ehren‘, dann steht das in einem Kontext. Du musst nur ein paar Verantwortungen nachkommen, die unter allen möglichen Umständen erfüllt werden können, das ist alles. Was die Frage anbelangt, ob deine Eltern ernsthaft erkranken oder sterben, liegt diese Entscheidung bei dir? Wie ihr Leben ist, wann sie sterben, welche Krankheit sie tötet oder wie sie sterben – haben diese Dinge irgendetwas mit dir zu tun? (Nein.) Sie haben nichts mit dir zu tun“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (4)). Aus Gottes Worten verstand ich, dass es kein Auftrag von Gott und auch nicht meine Mission ist, meine Eltern zu ehren. Meine himmlische Berufung besteht nur darin, die Pflichten eines geschaffenen Wesens zu erfüllen, denn Gott hat gesagt: „Ist deine Pflichtausführung nicht das, was du ohnehin tun solltest? Es ist eine vom Himmel gesandte Berufung, eine Verantwortung, die man nicht abschütteln kann. Du solltest deine Pflicht ausführen, auch wenn es sonst niemand tut. Das ist die Entschlossenheit, die du haben musst“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Im Glauben an Gott ist das Erlangen der Wahrheit das Wichtigste). Obwohl Kinder die Verantwortung haben, ihre Eltern zu ehren, ist das nicht die Pflicht eines geschaffenen Wesens. Wir müssen je nach Umständen und Hintergrund den richtigen Weg der Praxis finden, all dies allerdings unter der Voraussetzung, dass unsere Pflicht dadurch nicht behindert wird. Wenn die Umstände und Bedingungen es zulassen, sollte ich meine Verantwortung als Tochter erfüllen und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten um meine Mutter kümmern. Doch wegen der Verfolgung und der drohenden Verhaftung durch die KPCh konnte ich nicht nach Hause zurückkehren, um an ihrer Seite zu sein und für sie zu sorgen. Mir wurde von der KPCh sogar rücksichtslos das Recht genommen, sie zu sehen oder anzurufen, um mich nach ihrer Verfassung zu erkundigen. Außerdem war ich mit meiner Pflicht sehr beschäftigt und hatte keine Zeit, zurückzufahren und mich um meine Mutter zu kümmern. Wenn ich nach Hause fahren würde, um meine Mutter zu pflegen, und dadurch die Arbeit der Kirche verzögerte, wäre das nicht im Einklang mit Gottes Absicht. Nachdem ich das alles verstanden hatte, wurde ich innerlich viel ruhiger, und ich trat im Gebet vor Gott: „Oh, Allmächtiger Gott, jetzt weiß ich, wie ich mit der Krankheit meiner Mutter umgehen soll. Ich bin bereit, meine Zuneigung ihr gegenüber loszulassen und meiner Pflicht treu zu bleiben. Ich kann nicht nach Hause, um für sie zu sorgen, darum lege ich sie in Deine Hände. Was auch immer in Zukunft mit ihr geschieht, ich bin bereit, mich zu unterwerfen.“ Nach diesem Gebet fühlte ich mich innerlich befreiter. Ich konnte mein Herz wieder meiner Pflicht widmen und war nicht länger durch den Schlaganfall meiner Mutter eingenommen oder eingeschränkt. Ich danke Gott, dass Er diese Situation so gefügt hat, damit ich die traditionellen Vorstellungen in mir erkennen und verstehen konnte, wie ich meinen Eltern richtig begegnen soll.