23. Sollte eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden?
Im Jahr 2015 ordneten die Leiter an, dass ich Textarbeiten tat. Damals war die Teamleiterin Cheng Nuo von den Leitern wegen ihrer schlechten Einstellung bei der Ausführung ihrer Pflicht zurechtgestutzt worden. Sie glaubte, die Leiter hätten mich geholt, um sie zu ersetzen, weshalb sie mir bei jeder Gelegenheit das Leben schwer machte. Bei Versammlungen stellte sie mir oft bohrende Fragen zu den Predigten. Wenn ich nicht antworten konnte, verspottete mich Cheng Nuo mit den Worten: „Hast du denn kein Kaliber? Warum sonst hätten die Leiter dich hergeholt?“ Als ich ihr zuhörte, fühlte ich mich sehr eingeschränkt in meinem Herzen. Jede Versammlung war eine Qual. Da mein Zustand schlecht war, hatte ich beim Prüfen der Predigten keine Ideen und konnte mich nicht mit Grundsätzen ausrüsten. Ich empfand die Ausführung dieser Pflicht als sehr schwierig und fühlte mich ihr nicht gewachsen. Mein Herz litt Qualen und ich wollte am liebsten nach Hause gehen. Gerade als ich an meinem Tiefpunkt war, bemerkte meine Arbeitspartnerin Schwester Yang Guang meinen schlechten Zustand, hielt geduldig Gemeinschaft mit mir und half mir. Sie ermutigte mich auch, die Gelegenheit, meine Pflicht zu tun, nicht aufzugeben. Sie sagte, ich könne alles, was ich nicht verstand, mit ihr besprechen und Gemeinschaft halten, und wir könnten zusammenarbeiten. Yang Guang hielt viel Gemeinschaft mit mir, wodurch es in meinem Herzen viel klarer und heller wurde. Ich hatte auch den Willen, die Ausführung meiner Pflicht fortzusetzen. Danach investierte ich Zeit und Mühe, um mich mit den Grundsätzen auszurüsten, und bat Yang Guang, über alles, was ich nicht verstand, mit mir Gemeinschaft zu halten. Allmählich fand ich einige Wege, meine Pflicht zu tun, und war Yang Guang sehr dankbar. Später wurde Cheng Nuo entlassen, und die Brüder und Schwestern schlugen mich als Teamleiterin vor. Aus Angst, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, wollte ich ablehnen, doch Yang Guang ermutigte mich erneut. Sie sagte, dass die anderen Teammitglieder und ich alles gemeinsam besprechen würden, was ich nicht konnte, und dass sie mir auch helfen würde. Daraufhin nahm ich die Pflicht der Teamleiterin an. In dieser Zeit besprach Yang Guang oft mit mir den Weg zur Ausführung meiner Pflicht, und die Arbeit schritt recht reibungslos voran. Ich war Yang Guang außerordentlich dankbar und spürte, dass ich mich an diesen Gefallen im Herzen erinnern musste. Sollte sie in Zukunft irgendwelche Probleme haben, musste ich mein Möglichstes tun, um ihr zu helfen. Ich durfte nicht undankbar sein.
Nach einer Weile fuhr Yang Guang nach Hause auf Besuch, doch ihr Sohn war nicht damit einverstanden, dass sie wieder von zu Hause fortging, um ihre Pflicht zu tun. Er drohte sogar, sich im Alter nicht um sie zu kümmern, woraufhin sich Yang Guang eingeschränkt fühlte. Sie lebte ständig in einem negativen Zustand und trug bei der Ausführung ihrer Pflicht keine Last. Ich hielt mehrmals mit ihr Gemeinschaft, um ihr zu helfen, aber sie änderte überhaupt nichts. Später erhielt ich einen Brief von den Leitern, in dem stand, dass Yang Guangs Zustand die Arbeit bereits ernsthaft behinderte und sie entlassen werden sollte, wenn sie es nicht bald änderte. Als ich den Brief las, wurde ich sehr unruhig. Ich dachte daran, wie sehr Yang Guang mir geholfen hatte, als ich Schwierigkeiten hatte, also musste ich ihr in diesem kritischen Moment viel Hilfe bieten. Daraufhin suchte ich Yang Guang auf und hielt mit ihr Gemeinschaft. Sie sagte, ihr Zustand habe sich etwas gebessert, was mich ein wenig erleichterte. Ein andermal hatte Yang Guang einige Predigten zur Hand, die dringend gesichtet werden mussten, doch selbst nach einem halben Monat war sie damit immer noch nicht fertig. Ich sah, dass Yang Guang nicht mit Herz und Verstand bei ihrer Pflicht war und dass die Arbeit sich verzögern würde, wenn das so weiterginge. Ich dachte darüber nach, jemand anderen damit zu beauftragen, überlegte dann aber auch: „Wenn Yang Guang die Predigten noch gesichtet kriegt, zählt das als ein Ergebnis bei ihrer Pflicht, und sie wird nicht neu zugewiesen. Ich muss ihr jetzt beistehen.“ Daraufhin hielt ich mit Yang Guang Gemeinschaft und bat sie, ihre Haltung zu ihrer Pflicht zu ändern und die Predigten mit Dringlichkeit zu sichten. Doch es verstrichen einige weitere Tage und es gab immer noch keinerlei Fortschritt. Als ich sie nach dem genauen Grund fragte, antwortete sie nicht ehrlich. Mir wurde klar, dass ich sie nicht weiter an den Predigten arbeiten lassen konnte, und beauftragte eilig jemand anderen damit. Als ich sah, dass die Arbeit verzögert worden war, machte ich mir enorme Selbstvorwürfe. Ich wusste, dass Yang Guang entlassen werden musste wegen ihrer fortwährenden Unfähigkeit, ihren Zustand zu ändern, aber dann dachte ich: „Ihr Zustand ist ohnehin schon schlecht. Was ist, wenn sie nach der Entlassung nicht aus eigener Kraft da herausfindet?“ Ich brachte es nicht übers Herz; mein Herz war wie zugeschnürt. Zu dieser Zeit wurden zufällig Leute für eine andere Aufgabe gebraucht, also teilte ich Yang Guang dafür ein. Danach hörte ich nichts mehr von ihr.
Ein Jahr später wurde ich zur Kirchenleiterin gewählt. Einmal las ich einen Arbeitsbericht und erfuhr, dass Yang Guang bei der Ausführung ihrer Pflicht extrem passiv war, oft nach Hause fuhr und ihre ganze Arbeit ihrer Arbeitspartnerin aufbürdete. Zudem war Yang Guangs Sicherheit selbst gefährdet, und es war nicht sicher, ständig hin- und herzureisen. Man hatte darüber mit ihr Gemeinschaft gehalten, aber sie hatte es nicht angenommen. Sobald ich las, dass Yang Guangs Verhalten noch genauso war wie zuvor und sich überhaupt nicht geändert hatte, wollte ich mit meiner Arbeitspartnerin besprechen, ob Yang Guang neu zugewiesen werden müsste. Doch sofort schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Yang Guang hatte mir in meiner dunkelsten Stunde so sehr geholfen, und jetzt wollte ich sie entlassen, kaum dass ich Leiterin geworden war. Wenn sie das herausfände, würde sie mich nicht für gewissenlos und undankbar halten? Ich könnte ihr bei zukünftigen Treffen nicht mehr in die Augen sehen. Deshalb wollte ich die Angelegenheit meiner Arbeitspartnerin gegenüber gar nicht mehr ansprechen. Als ich Yang Guang später traf, hielt ich mit ihr Gemeinschaft über die Natur und die Konsequenzen, wenn sie ihre Pflicht auf diese Weise tat, und warnte sie, dass sie entlassen würde, wenn sie nichts änderte. Yang Guang stimmte mir im Gespräch zwar bereitwillig zu, doch ich hatte nicht erwartet, dass keine vier Wochen später die Arbeitspartnerin von Yang Guang einen Brief schrieb und mitteilte, dass sie immer noch dazu neigte, ihre Pflicht einfach liegen zu lassen, was die Arbeit ernsthaft behindert hatte. Ich machte mir in meinem Herzen schwere Vorwürfe. Hätte ich sie umgehend entlassen, hätte sie die Arbeit nicht um einen weiteren Monat verzögert. Mir wurde klar, dass ihr Verhalten gleich blieb und sich nicht ändern würde, nur indem ihr einige Male geholfen würde, und so beschloss ich, sie zu entlassen.
Danach dachte ich über mich selbst nach. Warum war ich außerstande, jedes Problem, das Yang Guang betraf, nach den Grundsätzen zu behandeln? Ich las zwei Abschnitte aus Gottes Worten: „Manche Menschen sind sehr rührselig. Sie lassen sich immerzu von ihren Gefühlen leiten: jeden Tag, in allem, was sie sagen, in ihrem Verhalten und darin, wie sie die Dinge angehen. Sie empfinden etwas für diesen und jenen Menschen und verbringen ihre Tage damit, sich um Beziehungs- und Gefühlsangelegenheiten zu kümmern. In jeder Situation, die ihnen begegnet, leben sie im Reich der Gefühle. Wenn in der Verwandtschaft solcher Menschen ein Nichtgläubiger stirbt, weinen sie drei Tage um ihn und lassen nicht zu, dass der Leichnam begraben wird. Sie hegen noch immer Gefühle für den Verstorbenen, und ihre Gefühle sind zu übermächtig. Man könnte sagen, dass die tödliche Schwäche dieser Menschen ihre Gefühle sind. Sie werden in allen Dingen von ihren Gefühlen eingeschränkt, sie sind nicht in der Lage, die Wahrheit zu praktizieren oder gemäß den Grundsätzen zu handeln, und sie neigen oft dazu, gegen Gott aufzubegehren. Ihre Gefühle sind ihre größte Schwäche, ihre tödliche Schwäche, und ihre Gefühle können sie durchaus ins Verderben stürzen und zerstören. Menschen, die überzogen rührselig sind, können weder die Wahrheit in die Praxis umsetzen noch sich Gott unterwerfen. Sie sind mit ihrem Fleisch beschäftigt, sind töricht und wirr im Kopf. Es liegt in der Natur eines solchen Menschen, sehr rührselig zu sein, und er lebt nach seinen Gefühlen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Wie man die Natur des Menschen erkennt). „Was kennzeichnet Gefühle? Sicherlich nichts Positives. Es ist ein Fokus auf fleischliche Beziehungen und die Befriedigung der Vorlieben des Fleisches. Vetternwirtschaft, das Verteidigen von Missetaten, Verwöhnen, Verhätscheln und Nachsicht fallen alle unter Gefühle. Manche Menschen legen großen Wert auf Gefühle, sie reagieren auf alles, was ihnen widerfährt, auf der Grundlage ihrer Gefühle; in ihrem Herzen wissen sie genau, dass dies falsch ist, und sie sind dennoch nicht in der Lage, objektiv zu sein, geschweige denn, nach Grundsätzen zu handeln. Sind Menschen, die immer von Gefühlen eingeschränkt werden, in der Lage, die Wahrheit zu praktizieren? Das ist äußerst schwierig! Die Unfähigkeit vieler Menschen, die Wahrheit zu praktizieren, läuft auf Gefühle hinaus; sie halten Gefühle für besonders wichtig, sie stellen sie an erste Stelle. Sind das Menschen, die die Wahrheit lieben? Sicherlich nicht. Was sind Gefühle im Grunde genommen? Sie sind eine Art von verdorbener Disposition. Die Erscheinungsformen von Gefühlen lassen sich mit verschiedenen Begriffen beschreiben: Vetternwirtschaft, prinzipienloser Schutz anderer, Aufrechterhaltung fleischlicher Beziehungen und Parteilichkeit – all das sind Gefühle“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Was ist die Wahrheitsrealität?). Gott deckt auf, dass sehr gefühlsbetonte Menschen in allem von ihren Gefühlen eingeschränkt werden. Sie können die Wahrheit nicht praktizieren und nicht nach Grundsätzen handeln. Obwohl sie in ihren Herzen genau wissen, dass ihr Handeln nicht richtig ist, können sie dennoch nicht unparteiisch sein. Ich war ein sehr gefühlsbetonter Mensch und hatte meine Gefühle im Umgang mit Yang Guang offenbart. Als ich gerade erst mit den Textarbeiten begonnen hatte, lebte ich oft in Negativität und dachte daran, meiner Pflicht den Rücken zu kehren. Es war Yang Guang, die mir immer wieder geduldig geholfen hatte, sodass ich den Glauben fand, meine Pflicht auszuführen. Ich spürte ihre Güte und dass sie es wirklich gut mit mir meinte. Nachdem ich Teamleiterin geworden war, sah ich, dass Yang Guang ständig von ihrer Zuneigung zu ihrer Familie gefangen war, was die Arbeit behinderte. Dennoch hatte ich sie nicht entlassen, sondern sie sogar noch in Schutz genommen. Ich hatte den Leitern nichts von ihrer wahren Situation berichtet und ihr eine Chance nach der anderen gegeben, damit sie ihre Pflichten weiter ausführen konnte. Das Ergebnis war, dass sich die Arbeit verzögerte. Als ich Leiterin der Kirche wurde, sah ich, dass Yang Guang bei ihrer Pflicht durchwegs keine Bürde trug und entlassen werden sollte. Aber ich musste immer an die Güte denken, die sie mir erwiesen hatte. Wenn ich an die Hilfe dachte, die sie mir geleistet hatte, brachte ich es nicht übers Herz, sie zu entlassen, und schützte sie weiterhin, geleitet von meinen Gefühlen. Ich gab Yang Guang immer wieder eine neue Chance, was jedoch zu Unterbrechungen und Störungen bei der Arbeit führte. Mir wurde klar, dass ein Handeln aus dem Gefühl heraus mich nur dazu bringen konnte, mich Gott zu widersetzen und Ihn zu verraten. Ich machte mir schwere Vorwürfe für mein Verhalten und hasste mich dafür, dass ich mich von meinen fleischlichen Gefühlen hatte leiten lassen und die Arbeit der Kirche nicht geschützt hatte. Ich betete zu Gott: „Oh Gott! Ich will nicht mehr aus dem Gefühl heraus handeln. Ich muss nach den Grundsätzen handeln und die Arbeit der Kirche schützen. Bitte führe mich, damit ich fähig bin, die Wahrheit zu praktizieren.“ Danach besprach ich die Angelegenheit mit meiner Arbeitspartnerin und entließ Yang Guang. Erst dann fand mein Herz zur Ruhe.
Später las ich Gottes Worte, die die traditionelle Vorstellung „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ entlarvten, und erlangte ein gewisses Verständnis für meinen Zustand. Gott sagt: „Die Idee, dass eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte, ist in der traditionellen chinesischen Kultur eines der klassischen Kriterien, um zu beurteilen, ob das Verhalten einer Person moralisch oder unmoralisch ist. Bei der Beurteilung, ob die Menschlichkeit einer Person gut oder schlecht und wie moralisch ihr Verhalten ist, ist einer der Maßstäbe, ob sie die Gefälligkeit oder die Hilfe, die ihr erwiesen wird, dankbar erwidert – ob sie jemand ist, der die Gunst, die ihm erwiesen wird, dankbar erwidert oder nicht. In der traditionellen chinesischen Kultur und in der traditionellen Kultur der Menschheit betrachten die Menschen dies als einen wichtigen Maßstab für moralisches Verhalten. Wenn jemand nicht versteht, dass eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte, und er undankbar ist, dann gilt er als gewissenlos und jemand, der es nicht wert ist, mit ihm zu verkehren, und sollte von allen verachtet, verschmäht oder abgelehnt werden. Andererseits, wenn jemand versteht, dass eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte – wenn er dankbar ist und die empfangene Gunst und Hilfe mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erwidert – dann wird er als jemand mit Gewissen und Menschlichkeit angesehen. Wenn jemand von einer anderen Person Begünstigungen oder Hilfe erhält, diese aber nicht erwidert oder dieser Person nur wenig Dankbarkeit entgegenbringt, mit nicht mehr als einem einfachen ‚Danke‘, was wird diese Person dann denken? Könnte sie sich deswegen unbehaglich fühlen? Könnte sie denken: ‚Der Typ hat es nicht verdient, dass man ihm hilft, er ist kein guter Mensch. Wenn er so reagiert, obwohl ich ihm so sehr geholfen habe, dann besitzt er kein Gewissen und keine Menschlichkeit und ist es nicht wert, dass ich mich mit ihm abgebe‘? Würde sie, wenn sie jemand Ähnlichem begegnet, ihm dennoch helfen? Zumindest würde sie das nicht wollen. Würdet ihr euch unter ähnlichen Umständen nicht fragen, ob ihr hier wirklich helfen solltet oder nicht? Die Lektion, die ihr aus eurer früheren Erfahrung gelernt hättet, wäre folgende: ‚Ich kann nicht einfach jedem helfen – wenn ich jemandem helfe, muss er verstehen, dass eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte. Wenn er von der undankbaren Sorte ist, jemand, der Hilfe, die ich ihm gegeben habe, nicht erwidern will, dann sollte ich besser nicht helfen.‘ Wäre das nicht auch eure Sicht zu diesem Thema? (Ja.)“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). „Bevor ihr die Wahrheit begriffen habt, habt ihr nach eurem Gewissen gelebt, und ganz gleich, wer dir Gutes erwiesen oder dir geholfen hat, selbst wenn es böse Menschen oder Gangster waren, du hast dich auf jeden Fall revanchiert und dich gezwungen gefühlt, dich für deine Freunde aufzuopfern und sogar dein Leben für sie aufs Spiel zu setzen. Männer sollten zu Sklaven ihrer Wohltäter werden, um sich zu revanchieren, während Frauen sich verpflichten sollten, sie zu heiraten und ihnen Kinder zu gebären – das ist die Vorstellung, die die traditionelle Kultur den Menschen aufzwingt, indem sie ihnen befiehlt, erwiesene Güte dankbar zu erwidern. Infolgedessen denken die Menschen: ‚Nur Menschen, die Güte erwidern, haben ein Gewissen, und wenn sie Güte nicht erwidern, dann müssen sie gewissenlos und unmenschlich sein.‘ Diese Vorstellung ist fest in den Herzen der Menschen verankert“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, erkannte ich: Als ich ständig an die Güte dachte, die Yang Guang mir erwiesen hatte, und sie nicht entließ, war ich von der traditionellen kulturellen Vorstellung gefesselt, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“. Schon als kleines Kind hörte ich meine Großmutter oft sagen: „Als Mensch musst du wissen, was Dankbarkeit ist. Du musst verstehen: ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden.‘ Wenn du nicht weißt, wie man Güte erwidert, bist du ein undankbarer Mensch, und niemand wird mit dir zu tun haben wollen.“ Meine Mutter verhielt sich genau so. Ich erinnere mich daran, dass wir, als mein jüngerer Bruder krank war, all unsere Ersparnisse verbrauchten. Die Leute im Dorf sammelten Geld, um unserer Familie zu helfen. Meine Mutter vergaß diese Güte nie, und jedes Jahr zur Herbsternte beeilte sie sich, unsere eigene Arbeit fertigzustellen, um dann den anderen im Dorf bei ihrer Arbeit zu helfen. Alle im Dorf sagten, meine Mutter habe eine gute Menschlichkeit und es lohne sich, mit ihr Umgang zu pflegen. Damals sagte meine Mutter oft zu mir, dass die anderen uns in unserer Not geholfen hätten und wir deshalb dankbar sein müssten. Wann immer jemand in Schwierigkeiten stecke, sollten wir helfen und dürften auf keinen Fall gewissenlos sein. Nach und nach prägte mich das, und auch ich glaubte schließlich, dass nur Menschen, die verstanden, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“, gute Menschen seien. Und wenn jemand die Wichtigkeit der Erwiderung einer Güte nicht verstand, dann hatte er kein Gewissen und man wollte mit so jemandem nichts zu tun haben. Nachdem ich begonnen hatte, an Gott zu glauben, half mir Yang Guang oft und unterstützte mich oft, wann immer ich Schwierigkeiten hatte oder negativ und schwach war. Deshalb dachte ich, ich müsse diese Güte erwidern. Als ich sie also hätte entlassen müssen, schützte ich sie entgegen den Grundsätzen. Ich gab ihr eine Chance nach der anderen, was zur Folge hatte, dass ich die Arbeit der Kirche verzögerte. Ich hatte zwar die Güte erwidert, aber die Arbeit der Kirche war gestört worden. Ich hatte nach der traditionellen kulturellen Vorstellung „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ gelebt und bei meinem Verhalten und Handeln überhaupt nicht nach Prinzipien gehandelt. Ich erkannte, dass die Ansicht „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ nichts Positives war und nicht mit der Wahrheit übereinstimmte.
Ich las einen weiteren Abschnitt aus Gottes Worten und gewann eine klarere Sicht auf die Widersinnigkeit der Vorstellung, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“. Gott sagt: „Aussagen über moralisches Verhalten wie ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden‘ sagen den Menschen nicht genau, worin ihre Verantwortung innerhalb der Gesellschaft und in der Menschheit besteht. Stattdessen sind sie eine Art und Weise, Menschen zu binden oder zu zwingen, auf eine bestimmte Art zu handeln und zu denken, unabhängig davon, ob sie das möchten oder nicht, und unabhängig davon, in welcher Lebenslage oder in welchem Zusammenhang ihnen diese Gunst zuteilwird. Es gibt sehr viele solcher Beispiele aus dem alten China. Zum Beispiel wird ein verhungernder Betteljunge von einer Familie aufgenommen, die ihn ernährt, mit Kleidung versorgt, ihn im Kampfsport unterrichtet hat und ihm alle Arten von Kenntnissen vermittelt. Sie warten, bis er erwachsen ist, und fangen dann an, ihn als Einkommensquelle zu benutzen. Sie schicken ihn aus, Böses zu tun, Menschen zu töten und Dinge zu tun, die er nicht tun will. Wenn du diese Geschichte vor dem Hintergrund all der Gefallen, die man ihm erwiesen hat, ansiehst, dann war es eine gute Sache, ihn zu retten. Wenn du aber bedenkst, zu welchen Taten er später gezwungen wird, war es dann wirklich gut, oder war es schlecht? (Es war schlecht.) Aber unter der Konditionierung der traditionellen Kultur wie ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden‘ können Menschen diese Unterscheidung nicht machen. Oberflächlich betrachtet scheint es, dass der Junge keine andere Wahl hatte, als böse Dinge zu tun und Menschen zu verletzen, zum Mörder zu werden – Dinge, die die meisten Menschen nicht tun wollen. Aber entsprang die Tatsache, dass er auf Geheiß seines Meisters diese schlimmen Dinge tat und tötete, nicht tief in seinem Inneren dem Wunsch, ihm seine Güte zu erwidern? Vor allem aufgrund der Prägung durch die traditionelle chinesische Kultur, die besagt, dass eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte, können die Menschen nicht anders, als sich von diesen Vorstellungen beeinflussen und steuern zu lassen. Die Art und Weise, wie sie handeln, und die Absichten und Beweggründe hinter ihren Handlungen sind mit Sicherheit von diesen Vorstellungen eingeschränkt. Was wäre der erste Gedanke dieses Jungen gewesen, als er in diese Situation geriet? ‚Ich wurde von dieser Familie gerettet, und sie waren gut zu mir. Ich kann nicht undankbar sein, ich muss ihre Güte erwidern. Ich habe ihnen mein Leben zu verdanken, also muss ich es ihnen widmen. Ich sollte alles tun, was sie von mir verlangen, auch wenn das bedeutet, Böses zu tun und Menschen zu töten. Ich kann nicht darüber nachdenken, ob es richtig oder falsch ist, ich muss einfach ihre Güte erwidern. Wäre ich noch würdig, ein Mensch genannt zu werden, wenn ich es nicht tue?‘ Wann immer die Familie von ihm verlangte, jemanden zu ermorden oder etwas Böses zu tun, tat er es also ohne zu zögern und ohne Vorbehalt. Wurden sein Verhalten, seine Handlungen und sein bedingungsloser Gehorsam nicht von der Idee und der Ansicht bestimmt, dass ‚eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte‘? Erfüllte er nicht dieses Kriterium für moralisches Verhalten? (Ja.) Was siehst du an diesem Beispiel? Ist die Aussage ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden‘ eine gute Sache oder nicht? (Nein, das ist sie nicht, sie kennt keine Grundsätze.) Jemand, der eine Gunst erwidert, hat aber doch einen Grundsatz. Nämlich, dass eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte. Wenn jemand dir eine Gunst erweist, musst du dich auch erkenntlich zeigen. Wenn du es nicht tust, bist du kein Mensch, und es gibt nichts, was du sagen kannst, wenn du dafür verurteilt wirst. Es gibt einen Spruch: ‚Erwidere die Gunst eines Wassertropfens mit einer sprudelnden Quelle‘, aber in diesem Fall wurde dem Jungen nicht nur ein kleiner Akt der Güte erwiesen, sondern eine lebensrettende Gunst, sodass er umso mehr Grund hatte, sie mit seinem Leben zu vergelten. Er wusste nicht, welche Grenzen oder Grundsätze galten für die Erwiderung von Güte. Er glaubte, sein Leben sei ihm von dieser Familie geschenkt worden, also müsse er es ihr im Gegenzug widmen und alles tun, was sie von ihm verlangte, einschließlich Mord oder anderer böser Taten. Diese Art, eine Gunst zu erwidern, kennt keine Grundsätze oder Grenzen. Er machte sich zum Komplizen von Übeltätern und ruinierte sich dabei selbst. War es richtig, die erwiesene Güte auf diese Weise zu erwidern? Nein, natürlich nicht. Es war eine törichte Art, Dinge zu tun“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). Durch Gottes Worte sah ich, dass Menschen, sobald Satan ihnen die Vorstellung eingepflanzt hat, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“, diese Güte wahllos, um jeden Preis und ohne Rücksicht auf Recht und Unrecht erwidern. Sie handeln ohne Grundsätze und ihr Gewissen kennt keine Grenzen mehr. Ich hatte nach der Vorstellung gelebt, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“. Um Yang Guang für die Hilfe zu danken, die sie mir geleistet hatte, hatte ich sie nicht nur nicht entlassen, sondern ihr sogar geholfen und eine Chance nach der anderen gegeben, obwohl mir völlig klar war, dass sie für ihre Pflichten nicht geeignet war. Die Folge war, dass die Arbeit der Kirche verzögert wurde. Ich war von der Vorstellung, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“, gefesselt und gebunden und besaß nicht die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Ich hatte gegen die Grundsätze verstoßen und die Arbeit der Kirche verzögert. Ich war so verworren gewesen! Hätte Gott es in Seinen Worten nicht aufgedeckt und hätte ich es nicht anhand Seiner Worte unterschieden, würde ich immer noch glauben, dass mein Handeln richtig war, ohne zu ahnen, wie sehr mich die traditionelle Kultur geschädigt hatte.
Eines Tages im April 2023 erhielt ich einen Brief von den Leitern mit der Bitte, eine Beurteilung für Yang Guang zu schreiben. Ich dachte daran, was meine Arbeitspartnerin mir unlängst erzählt hatte: Als man Yang Guang Pflichten zuteilte, lehnte sie diese ab und meinte sogar, ihr Pflichten aufzutragen, würde ihr die Freiheit nehmen. Yang Guang hatte ihre Pflichten bis zum heutigen Tag nicht ausgeführt, ganz zu schweigen von ihrem früheren Verhalten bei der Ausführung ihrer Pflicht. Mir war klar: Wenn ich all das aufschreiben würde, würde Yang Guang sehr wahrscheinlich entfernt werden. Wenn sie herausfände, dass ich ihr Verhalten gemeldet hatte, würde sie mich dann nicht hassen? Würde sie nicht denken, ich sei kaltherzig? Aber wenn ich es nicht aufschrieb, würde ich eine Chance verlieren, die Wahrheit zu praktizieren. Das ist eine Kränkung Gottes. In dieser Nacht wälzte ich mich im Bett hin und her und konnte nicht schlafen. Während ich suchte und nachdachte, fiel mir ein Abschnitt aus Gottes Worten ein, den ich heraussuchte, um ihn zu lesen. Gott sagt: „Manchmal wird Gott die Dienste Satans in Anspruch nehmen, um den Menschen zu helfen, aber wir müssen sicher sein, dass wir in solchen Fällen Gott danken und Satan eine Gunst nicht erwidern – das ist eine Frage von Grundsätzen. Wenn die Versuchung in Form einer bösen Person kommt, die dir eine Gunst erweist, musst du dir zunächst darüber im Klaren sein, wer dir hilft und Beistand leistet, wie es um deine eigene Situation bestellt ist und ob es andere Wege gibt, die du einschlagen kannst. In solchen Fällen musst du mit einer flexiblen Herangehensweise vorgehen. Wenn Gott dich retten will, egal, wessen Dienste Er dafür in Anspruch nimmt, solltest du zuerst Gott danken und es von Gott annehmen. Du solltest deine Dankbarkeit nicht nur auf Menschen richten, geschweige denn, jemandem dein Leben aus Dankbarkeit opfern. Das ist ein schwerer Fehler. Entscheidend ist, dass dein Herz Gott dankbar ist und du es von Ihm annimmst“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). Nachdem ich die Worte Gottes gelesen hatte, fühlte sich mein Herz auf einmal befreit. Ich war Yang Guang immer dankbar gewesen und glaubte, der Grund, warum ich meiner Pflicht damals nicht den Rücken gekehrt hatte, sei ihre Hilfe und ihr gemeinschaftlicher Austausch gewesen. In meinem Herzen konnte ich diese Gunst nie vergessen und wollte mich revanchieren. Ich war wirklich so dumm und blind! Gott hat die Herrschaft darüber und bestimmt, welche Pflicht ein Mensch ausführen kann und wann er sie ausführt. Als Yang Guang mir half, war das von Gott orchestriert und arrangiert worden. Ich hätte die ganze Güte nicht Yang Guang zuschreiben sollen. Es war Gott, dem ich hätte danken sollen.
Ich las weitere Worte Gottes: „In Wirklichkeit bist du, unabhängig davon, ob du sie ihm erwiderst oder nicht, immer noch ein Mensch und lebst immer noch im Rahmen der normalen Menschlichkeit – eine solche Erwiderung wird nichts daran ändern. Deine Menschlichkeit wird sich nicht verändern, und deine verdorbene Disposition wird nicht gebändigt werden, nur weil du ihm seine Güte zur Genüge erwidert hast. Ebenso wird sich deine verdorbene Disposition nicht verschlimmern, nur weil du sie ungenügend erwidert hast. Die Frage, ob du Güte erwiderst und erweist oder nicht, steht in absolut keinem Zusammenhang mit deiner verdorbenen Disposition. Unabhängig davon, ob ein Zusammenhang besteht oder nicht, existiert diese Art von ‚Güte‘ für Mich natürlich einfach nicht, und Ich hoffe, das gilt auch für euch. Wie solltest du es also betrachten? Betrachte es einfach als eine Verpflichtung und eine Verantwortung und als etwas, das ein Mensch mit menschlichen Instinkten tun sollte. Du solltest es als deine Verantwortung und Verpflichtung als menschliches Wesen betrachten und es nach deinem besten Vermögen tun. Das ist alles“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). „Nach welchem Prinzip soll man, gemäß Gottes Worten, andere Menschen behandeln? Liebe das, was Gott liebt, und hasse das, was Gott hasst: Das ist der Grundsatz, an den man sich halten sollte. Gott liebt diejenigen, die nach der Wahrheit streben und Seinen Willen befolgen können; das sind auch die Menschen, die wir lieben sollten. Diejenigen, die Gottes Willen nicht befolgen können, die Gott hassen und gegen Gott aufbegehren – diese Menschen werden von Gott verabscheut, und wir sollten sie auch verabscheuen. Das ist es, was Gott von den Menschen verlangt“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Nur indem man seine eigenen falschen Ansichten erkennt, kann man sich wahrhaft wandeln). Nachdem ich über Gottes Worte nachgedacht hatte, verstand ich, dass es bei Gott so etwas wie menschliche „Güte“ schlichtweg nicht gibt. Man sollte die Güte von Menschen, die einem geholfen haben, nicht ohne jegliche moralische Grenzen erwidern. Stattdessen sollte man seine Verantwortung nach besten Kräften erfüllen, darf dabei aber nicht gegen die Wahrheitsgrundsätze verstoßen. Wenn etwas gegen die Wahrheitsgrundsätze verstößt, sollte man sich weigern und nach Gottes Anforderungen praktizieren. Menschen, die nach der Wahrheit streben und bereit sind, ihre Pflicht zu tun, sollte man, auch wenn sie Verdorbenheit offenbaren, mit einem liebenden Herzen bestmöglich helfen, solange sie bereit sind, Buße zu tun und sich zu ändern. Dabei sollte man nicht darauf achten, ob sie einem geholfen oder Güte erwiesen haben. Wer aber nicht nach der Wahrheit strebt, keine Pflicht tun will, auch nach wiederholter Gemeinschaft keine Buße tut und sich nicht ändert und sogar weiterhin Böses tut, den hasst Gott. Wir sollten solche Menschen ebenfalls zurückweisen und hassen. Ich hatte Yang Guang viel geholfen, aber sie machte einfach keine Fortschritte in ihrem Lebenseintritt. Nach mehreren Jahren hatte sie immer noch nicht die geringste Veränderung gezeigt. Sie hatte viele Jahre an Gott geglaubt, aber die Wahrheit nicht praktiziert und war nicht bereit, ihre Pflicht zu tun. Sie war eine der Ungläubigen, die durch Gottes Werk offenbart wurden. Ich musste nach den Grundsätzen praktizieren, lieben, was Gott liebt, und hassen, was Gott hasst. Daraufhin schrieb ich die Beurteilung für Yang Guang. Nachdem die Beurteilung weitergeleitet worden war, fühlte sich mein Herz erleichtert. Später wurde Yang Guang entfernt.
Durch meine Erfahrungen in dieser Zeit erlangte ich ein gewisses Unterscheidungsvermögen über die traditionelle Vorstellung, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“, und erlebte, wie Gottes detaillierte Analyse der Trugschlüsse der traditionellen Kultur Seine Rettung für die Menschheit ist. Hätte ich die Worte Gottes nicht gelesen, würde ich immer noch ständig nach der traditionellen Vorstellung leben, dass „eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte“, und ich weiß nicht, wie viele Dinge ich getan hätte, die gegen die Wahrheit verstoßen und sich Gott widersetzt hätten. Dass ich diese kleine Veränderung bewirken konnte, ist ein Ergebnis, das durch die Worte Gottes erreicht wurde. Dank sei Gott!