53. Meine Wahl in einem gefährlichen Umfeld

Von Xin Ming, China

Am Abend des 15. April 2022, kurz nach 22 Uhr, erhielt ich einen Brief von der Leiterin, in dem stand, dass vier Brüder und Schwestern aus meiner Kirche in meiner Heimatstadt festgenommen worden waren. Als ich diese vertrauten Namen las, wurde mir ganz schwer ums Herz. Eine der Schwestern hatte früher mit mir zusammen ihre Pflicht ausgeführt, und wir beide waren bereits einmal telefonisch von der Polizei überprüft worden. Würde ihre Festnahme nun auch mich mit hineinziehen? Ich bekam ein wenig Angst. Kurz darauf erfuhr ich, dass noch fünf weitere Brüder und Schwestern festgenommen worden waren, darunter zwei Kirchenleiter. Am Mittag des 21. erhielt ich einen weiteren Brief von der Leiterin. Sie schrieb, dass der Kontakt zur Kirche in meiner Heimatstadt abgebrochen sei, und fragte, ob ich zurückkehren könne, um mir ein Bild von der Lage zu machen, zu prüfen, ob die dort aufbewahrten Bücher mit Gottes Worten in Gefahr seien, und ob man sie an einen anderen Ort bringen könne. Nach dem Lesen des Briefes war ich extrem beunruhigt. Sollten die Bücher mit Gottes Worten von der Polizei beschlagnahmt werden, wäre das ein herber Verlust. Doch ich hatte die örtliche Kirche schon zehn Jahre zuvor verlassen und wusste nicht, wo die Bücher untergebracht waren. Plötzlich kam mir meine Mutter in den Sinn, die schon immer in der Kirche gewesen war und wahrscheinlich über die Situation Bescheid wusste. Doch dann regte sich ein egoistischer Gedanke in meinem Herzen: „Wenn ich erzähle, dass meine Mutter das Haus finden kann, in dem die Bücher aufbewahrt werden, wird die Leiterin mich ganz bestimmt zurückschicken. Das Durchgreifen der Kommunistischen Partei ist momentan so hart; wenn ich jetzt zurückgehe, begebe ich mich dann nicht direkt in die Schusslinie? Falls ich festgenommen und eingesperrt würde, hielte ich die Folter dann überhaupt aus? Allein bei dem Gedanken an die Szenen, wie Brüder und Schwestern nach ihrer Festnahme von der Polizei gefoltert werden, packt mich die Angst. Ich bleibe lieber hier; die Rückkehr ist einfach zu gefährlich!“ Bei diesem Gedanken sagte ich der Leiterin nicht sofort zu, dass ich zurückkehren würde. Aber dann dachte ich daran, wie viel Gnade Gottes und wie viel Versorgung durch die Wahrheit ich über die Jahre erfahren hatte, ohne wirklich viel für Gott getan zu haben. Besonders zu dieser Zeit hatten meine Bemühungen bei der Ausführung meiner Pflichten kaum Früchte getragen hatten und ich lebte oft nach meiner verdorbenen Disposition. Ich stand bereits zu tief in Gottes Schuld. Nun, wo so viele Brüder und Schwestern aus der Kirche meiner Heimatstadt festgenommen worden waren und der Kontakt abgebrochen war, konnte ich nicht einfach tatenlos zusehen; auch durfte ich nicht zulassen, dass die Bücher mit Gottes Worten dem großen roten Drachen in die Hände fielen. In diesem Moment kam mir eine Zeile aus einem Hymnus in den Sinn: „Die Zeit ist gekommen, Gott unsere Treue zu zeigen; wir werden leiden, um für Ihn Zeugnis abzulegen.“ Gott hoffte, dass ich in Zeiten der Gefahr und Not den Interessen von Gottes Familie Vorrang geben könnte. Doch ich hatte Angst davor, festgenommen zu werden, wenn ich zurückkehrte, und dachte nur an meine eigenen Interessen. Ich war Gott gegenüber überhaupt nicht treu – ich war einfach zu egoistisch! Während die Kirche mit Verfolgung und Not konfrontiert war, versuchte ich nur, meine eigene Haut zu retten. Ich hatte wirklich kein Gewissen! Jetzt, wo die Kirchenarbeit mich brauchte – wenn ich mich jetzt nicht einsetzte, würde ich mich später ganz bestimmt schuldig fühlen und es zutiefst bereuen. Ich durfte kein Feigling mehr sein; ich musste mein Bestes geben, um die Bücher mit Gottes Worten zu schützen. Als mir das klar wurde, schrieb ich der Leiterin schnell zurück und sagte ihr, dass ich zurückkehren und meine Mutter aufsuchen könne, um die Situation zu verstehen.

Später kam die Leiterin zu mir und hielt mit mir ausführlich Gemeinschaft darüber, was nach meiner Rückkehr in meine Heimatstadt zu tun sei. Sie schärfte mir immer wieder ein, nach meiner Rückkehr weder die Brüder und Schwestern der Kirche noch meine Mutter direkt zu kontaktieren, da ungewiss sei, ob sie von der Polizei überwacht würden. Sie sagte mir auch, ich solle erst herausfinden, ob es bei meiner Mutter sicher sei, bevor ich mich mit ihr träfe, um über die Bücher mit Gottes Worten zu sprechen. Zu dieser Zeit war ich sowohl nervös als auch verängstigt. Ich hatte Angst, von der Polizei festgenommen zu werden, und ich war nervös, weil ich noch nie in so einer Situation gewesen war und nicht wusste, ob ich das alles gut meistern würde. Nachdem die Leiterin gegangen war, las ich eilig in Gottes Worten. Gott sagt: „Du solltest dich nicht vor diesem und jenem fürchten. Ganz gleich wie vielen Schwierigkeiten und Gefahren du gegenüberstehen magst, solltest du in der Lage sein, vor Mir standfest zu bleiben und dich durch kein Hindernis aufhalten zu lassen, sodass Mein Wille ungehindert ausgeführt werden kann. Das ist deine Pflicht … Du musst alles ertragen; für Mich musst du bereit sein, allem zu entsagen und Mir mit all deiner Kraft zu folgen und bereit sein, jeden Preis zu zahlen. Jetzt ist die Zeit, in der Ich dich prüfe: Wirst du Mir deine Treue darbringen? Kannst du Mir treu bis ans Ende des Weges folgen? Fürchte dich nicht; mit Mir als deiner Stütze, wer könnte je deinen Weg blockieren? Erinnere dich daran! Erinnere dich! Alles enthält Meine guten Absichten und unterliegt Meiner genauen Prüfung. Folgt alles, was du sagst und tust, Meinem Wort? Wenn die Feuerprüfungen über dich kommen, wirst du dich hinknien und rufen? Oder wirst du dich zusammenkauern, unfähig, dich vorwärts zu bewegen?(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Kundgebungen Christi am Anfang, Kapitel 10). Als ich diese Worte Gottes las, in denen es heißt: „Jetzt ist die Zeit, in der Ich dich prüfe: Wirst du Mir deine Treue darbringen?“ „Wenn die Feuerprüfungen über dich kommen, wirst du dich hinknien und rufen? Oder wirst du dich zusammenkauern, unfähig, dich vorwärts zu bewegen?“ da kam es mir vor, als würde Gott mir unmissverständlich sagen, dass Er diese Umstände arrangiert habe und dass er mich damit auf die Probe stellte. Ich spürte, dass Gott mein Herz genau prüfte, um zu sehen, ob ich in Zeiten von Verfolgung und Not meinen eigenen Interessen den Vorrang geben und voller Angst zurückschrecken würde, oder ob ich die Interessen von Gottes Haus an die erste Stelle setzen und die Bücher mit Gottes Worten sicher fortschaffen würde. Ich spürte auch, dass Gott hoffte, ich würde mich bewähren. Ich wollte Gottes Absicht nicht zuwiderhandeln und auch kein Feigling sein, dem es nur ums Überleben ging. Also kniete ich mich schnell hin und betete zu Gott: „Gott, meine geistige Größe ist so gering; ich habe solche Umstände noch nie erlebt und bin sehr nervös. Ich habe Angst, dass ich diese Pflicht nicht gut ausführen werde. Gott, bitte führe mich und hilf mir, mein Herz zur Ruhe zu bringen.“ Nach dem Gebet fühlte ich mich viel ruhiger.

Als ich in meiner Heimatstadt ankam, war es bereits nach 20 Uhr. Während ich durch die Straßen ging, war mir mulmig zumute. Ich wusste nicht, wie es den Brüdern und Schwestern ging, ob die Bücher mit Gottes Worten sicher waren und ob mir selbst Gefahr drohte. In meinem Herzen bat ich Gott ständig darum, mir zu helfen, innerlich ruhig zu bleiben. Als ich vor der Tür meines jüngeren Bruders stand, zögerte ich, da ich wusste, dass er meinen Glauben an Gott ablehnte. Als mein Vater an einer Krankheit verstarb, war ich nicht zurückgekehrt, und mein Bruder sagte mir damals persönlich: „Von jetzt an bist du nicht mehr meine Schwester.“ Ich wusste nicht, ob er mir helfen würde. Mein Herz krampfte sich wieder zusammen, und ich stand mehrere Minuten lang im Korridor, ohne mich hineinzutrauen. Ich betete still in meinem Herzen, und allmählich wurde ich ruhiger und fand den Mut, an die Tür zu klopfen. Zu meiner Überraschung zeigte mein Bruder keinerlei Feindseligkeit. Ich erfuhr von ihm auch, dass für meine Mutter vorerst keine Gefahr bestand. An dem Tag, als die Brüder und Schwestern festgenommen wurden, war sie zufällig gerade dabei umzuziehen, und nun wusste niemand in der Kirche, wo sie wohnte. Ich suchte meine Mutter schnell auf. Ich dachte: „Meine Mutter hat sieben Jahre lang in ihrem alten Haus gelebt, und jeder Bruder und jede Schwester in der Kirche kannte ihre Adresse. Für die Polizei wäre es so einfach gewesen, sie zu finden. Es ist also ein Glück, dass sie umgezogen ist – andernfalls hätte ich sie nicht kontaktieren können. Ist es nicht Gottes Orchestrierung und Anordnung, dass meine Mutter zuvor umgezogen ist?“ In diesem Moment spürte ich, dass meine geistige Größe zu gering war und ich keinerlei Glauben an Gott besaß. Ursprünglich hatte ich mich nicht getraut zurückzukommen, aus Angst, festgenommen zu werden und das Haus nicht zu finden, in dem die Bücher sicher aufbewahrt wurden. Jetzt sah ich, dass Gott alles arrangiert hatte. Angesichts von Gottes Allmacht und Herrschaft gewann ich Vertrauen. Meine Mutter sagte, sie habe vor zwei Jahren vier Häuser gekannt, in denen die Bücher mit Gottes Worten aufbewahrt wurden, aber sie wisse nicht, ob es inzwischen Änderungen gegeben habe. Eine Schwester namens Li Han sei für diese Angelegenheit zuständig, und es wäre sicherer, die Informationen von ihr einzuholen. Außerdem würden die Aufbewahrer der Bücher uns vertrauen, wenn Li Han uns ihnen vorstellen würde. Ich dachte: „Li Hans Wohnung ist ein Geschäft, und fast alle Festgenommenen kennen es. Wenn sie von der Polizei überwacht wird, werden meine Mutter und ich dann nicht auch festgenommen?“ Diese Polizisten sind Teufel, die den Menschen Böses antun. Einige der festgenommenen Brüder und Schwestern wurden mit kochendem Wasser verbrüht, andere wurden nackt ausgezogen und am ganzen Körper mit Elektrostäben malträtiert, und wieder andere wurden mit Handschellen gefesselt und kopfüber aufgehängt. Allein der Gedanke an diese grausamen Szenen ließ mich erzittern. Ich dachte: „Wenn ich festgenommen werde, muss ich dann nicht auch diese Art von Folter ertragen? Wenn sie mich erschießen würden und es schnell ginge, wäre das in Ordnung, und ich würde ohne großes Leid sterben. Vielleicht würde ich zur Märtyrerin werden und meine Seele wäre gerettet. Aber diese Teufel sind heimtückisch und bösartig. Sie zwingen die festgenommenen Brüder und Schwestern, Gott zu verleugnen und die Kirchenleiter sowie die Gelder der Kirche zu verraten. Wenn die Brüder und Schwestern sich weigern zu reden, werden sie verschiedenen Folterungen unterzogen, und wenn sie immer noch schweigen, werden sie eingesperrt und von den Mitinsassen gequält. Die Polizei wendet alle möglichen bösartigen Methoden an und macht es wahrhaftig zu einer Hölle auf Erden, in der die Menschen weder leben noch sterben können und qualvolle Pein erleiden! Ich habe in meinem Leben noch nicht viel gelitten, und selbst Kopfweh oder Fieber sind mir schon sehr unangenehm. Wie soll ich eine solche unmenschliche Folter ertragen? Meine Mutter ist zudem alt, und wenn sie festgenommen wird, wird sie schrecklich leiden, selbst wenn sie nicht stirbt.“ Bei diesem Gedanken sagte ich zu meiner Mutter: „Wenn Li Han von der Polizei überwacht wird, könnten wir ebenfalls festgenommen werden. Ich glaube nicht, dass wir Li Han kontaktieren sollten.“ Nachdem sie das gehört hatte, drängte meine Mutter nicht weiter darauf.

Es war bereits spät in der Nacht, als wir unser Gespräch beendeten, und als ich im Bett lag konnte ich nicht schlafen. Ich dachte: „Meine Mutter weiß nicht genau, wo die Bücher aufbewahrt werden. Wenn wir dort überstürzt auftauchen, werden uns die Aufbewahrer-Familien die Bücher dann ohne Weiteres aushändigen? Es wäre verlässlicher, mit Li Han Kontakt aufzunehmen.“ Mir wurde klar: Mein Widerwille Li Han zu kontaktieren rührte daher, dass ich fürchtete, mit hineingezogen zu werden, und ich immer noch meine eigenen Interessen schützte. Also suchte ich eilig nach Gottes Worten, um meinen Zustand zu beheben. Ich las diesen Abschnitt aus Gottes Worten: „Antichristen sind extrem egoistisch und verachtenswert. Sie haben keinen wahren Glauben an Gott, geschweige denn Treue gegenüber Gott; wenn sie auf ein Problem stoßen, schützen und wahren sie nur sich selbst. Für sie ist nichts wichtiger als ihre eigene Sicherheit. Solange sie noch leben und nicht verhaftet werden, ist es ihnen gleichgültig, wie viel Schaden dem Werk der Kirche zugefügt wird. Diese Menschen sind extrem selbstsüchtig, sie denken überhaupt nicht an die Brüder und Schwestern oder an das Werk der Kirche, sie denken nur an ihre eigene Sicherheit. Sie sind Antichristen. Wenn also solche Dinge denen widerfahren, die Gott treu sind und wahren Glauben an Gott haben, wie gehen die dann damit um? Worin unterscheidet sich das, was sie tun, von dem, was Antichristen tun? (Wenn denen, die Gott gegenüber treu sind, so etwas widerfährt, werden sie sich alles Mögliche einfallen lassen, um die Interessen von Gottes Haus zu wahren, um die Opfergaben Gottes vor Verlusten zu schützen, und sie werden die notwendigen Vorkehrungen für die Leiter und Arbeiter sowie für die Brüder und Schwestern treffen, um Verluste kleinzuhalten. Antichristen stellen inzwischen sicher, dass sie zuerst geschützt werden. Sie machen sich keine Gedanken um die Arbeit der Kirche oder um die Sicherheit von Gottes Auserwählten, und wenn die Kirche mit Verhaftungen konfrontiert ist, hat das für die Arbeit der Kirche einen Verlust zur Folge.) Antichristen lassen die Arbeit der Kirche und Gottes Opfergaben im Stich, und sie sorgen nicht dafür, dass die Menschen sich um die Nachwirkungen kümmern. Das ist dasselbe, wie zuzulassen, dass der große rote Drache Gottes Opfergaben und Seine Auserwählten an sich reißt. Ist das nicht geheimer Verrat an Gottes Opfergaben und Seinen Auserwählten? Wenn die, die Gott treu sind, ganz genau wissen, dass ein Umfeld gefährlich ist, ertragen sie trotzdem tapfer das Risiko, sich um die Nachwirkungen kümmern zu müssen, und sie halten die Verluste im Hause Gottes so niedrig wie möglich, bevor sie sich selbst zurückziehen. Sie geben ihrer eigenen Sicherheit keine Priorität. Sagt mir, wer könnte in diesem niederträchtigen Land des großen roten Drachen sicherstellen, dass der Glaube an Gott und die Ausführung einer Pflicht überhaupt keine Gefahr darstellen? Welche Pflicht man auch immer auf sich nimmt, sie bringt ein gewisses Risiko mit sich – doch die Ausführung der Pflicht wird von Gott in Auftrag gegeben, und während man Gott folgt, muss man das Risiko der Pflichtausführung auf sich nehmen. Man sollte Weisheit walten lassen, und man muss Maßnahmen ergreifen, um seine Sicherheit zu gewährleisten, aber man sollte seine persönliche Sicherheit nicht an die erste Stelle setzen. Man sollte Gottes Absichten berücksichtigen und das Werk Seines Hauses und die Verbreitung des Evangeliums an die erste Stelle setzen. Die Erfüllung von Gottes Auftrag an sie ist das Wichtigste, und sie steht an erster Stelle. Antichristen geben ihrer persönlichen Sicherheit die höchste Priorität; sie glauben, dass nichts anderes mit ihnen zu tun hat. Es ist ihnen gleichgültig, wenn jemand anderem etwas zustößt, ganz gleich, wer es sein mag. Solange den Antichristen selbst nichts Schlimmes zustößt, fühlen sie sich wohl. Es fehlt ihnen jegliche Treue, was durch die Wesensnatur der Antichristen bedingt ist(Das Wort, Bd. 4, Antichristen entlarven: Punkt 9 (Teil 2)). Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, war ich zutiefst bekümmert und aufgewühlt, denn ich hatte das Gefühl, dass Gottes Worte mich richteten. Die Disposition, die ich enthüllte, war genau wie die der Antichristen. Die Antichristen denken in Zeiten der Gefahr und Not nur an ihre eigene Sicherheit und daran, wie sie sich selbst schützen können; sie zeigen keinerlei Treue gegenüber Gott und missachten die Interessen von Gottes Familie sowie die Sicherheit der Brüder und Schwestern. Sie sind extrem selbstsüchtig und verachtenswert. Jetzt, wo der Kirche Festnahmen drohten, war der Schutz der Bücher mit Gottes Worten die wichtigste Aufgabe in dieser Zeit der Gefahr, und es war etwas, das jeder Mensch, der ein Gewissen und Menschlichkeit besitzt, tun sollte. In diesem kritischen Moment dachte ich nur an meine eigene Selbsterhaltung und nicht daran, wie ich die Bücher sicher und geschützt an einen anderen Ort bringen könnte. Wo war meine Treue zu Gott? Wenn ich unüberlegt handelte, wenn ich die Aufbewahrer-Häuser nicht fand oder wenn sie uns die Bücher nicht aushändigten, würde dies die Umquartierung der Bücher verzögern. Wenn diese Bücher von der Polizei beschlagnahmt würden, weil sie nicht rechtzeitig weggeschafft worden waren, würde man mich dafür zur Verantwortung ziehen! Gottes Worte sind die Lebensnahrung des Menschen. Um die Wahrheit zu verstehen, sich selbst zu kennen, verdorbene Dispositionen abzulegen und die Errettung zu erlangen, kann man nicht ohne Gottes Worte sein. Gottes Worte sind sogar noch wichtiger als das menschliche Leben. Brüder und Schwestern riskieren ihr Leben, um Gottes Worte an die Kirche zu liefern, damit mehr Menschen sie lesen, die Wahrheit verstehen und Gottes Errettung erlangen können. Diejenigen, die aufrichtig an Gott glauben, würden gewiss ihr Leben riskieren, um die Bücher mit Gottes Worten zu schützen, doch in diesem entscheidenden Moment dachte ich nur daran, mich selbst zu schützen. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr hatte ich das Gefühl, überhaupt keine Menschlichkeit zu besitzen. Ich dachte auch an Petrus, der viel Leid ertrug und sogar gefangen gesetzt wurde, während er für den Herrn arbeitete und die Kirche hütete. Während der letzten Christenverfolgung durch den römischen Kaiser war Petrus bereits aus der Stadt geflohen. Als der Herr Jesus sich Petrus offenbarte, verstand dieser, dass dies bedeutete, dass der Herr Jesus wollte, dass er gekreuzigt wird. Also unterwarf er sich und kehrte nach Rom zurück, wo er letztendlich kopfüber gekreuzigt wurde und ein Zeugnis von höchster Liebe zu Gott ablegte. Ich konnte mich zwar nicht mit Petrus vergleichen, doch die Kirche hatte mir diese Aufgabe anvertraut, und sie war meine Verantwortung und meine Pflicht. Ich sollte Gott gegenüber treu sein, den Interessen von Gottes Haus Vorrang geben, die Aufgabe auf jede mir mögliche Weise ausführen und mein Bestes geben. Als mir das klar wurde, betete ich reumütig zu Gott.

Am nächsten Morgen kontaktierte ich früh eine Schwester, um den Kontakt mit Li Han herzustellen, und vereinbarte ein Treffen mit ihr. Als Li Han uns sah, sagte sie besorgt: „Einer der Festgenommenen ist zu einem Judas geworden. Jetzt wurde eine Schwester aus einer der Aufbewahrer-Familien festgenommen, und auch die anderen Familien sind in Gefahr. Wir hoffen, dass ihr schnell kommen und die Bücher wegschaffen könnt.“ Als ich Li Hans Worte hörte, wurde mir der Ernst der Lage bewusst und ich wurde noch besorgter. Ich machte mich sofort mit Li Han auf den Weg, um die anderen Aufbewahrer-Häuser ausfindig zu machen. Unterwegs waren wir sehr vorsichtig und beobachteten ständig unsere Umgebung, während ich in meinem Herzen unaufhörlich betete. Nachdem ich die Familien ausfindig gemacht hatte, organisierte ich ein Auto, um die Bücher umzuquartieren. Zu meiner Überraschung stellten wir fest, dass die Polizeikontrollen auf der Autobahn sehr streng waren. Jedes Auto wurde mehrere Minuten lang inspiziert, bevor es weiterfahren durfte, und mehrere Verkehrspolizisten sorgten vor Ort für Ordnung. Angesichts dieser Situation wurde ich wieder nervös. Wenn wir erwischt würden, könnten wir die Bücher nicht fortbringen. Ich betete ununterbrochen in meinem Herzen zu Gott. Ich dachte an Gottes Worte, in denen es heißt: „Sämtliche Dinge werden sich, ob lebendig oder tot, im Einklang mit Gottes Gedanken verlagern, verändern und erneuern und sie werden verschwinden. Das ist die Art und Weise, auf die Gott über alle Dinge herrscht(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Gott ist die Quelle menschlichen Lebens). Tatsächlich unterliegen alle Lebewesen und Dinge der Herrschaft und Anordnung Gottes, und auch die Gedanken und Vorstellungen derer, die nicht an Gott glauben, stehen unter Seiner Kontrolle. Ob wir heute ungehindert passieren konnten, lag in Gottes Hand, und ich musste Glauben haben. In diesem Moment wurde unser Wagen zur Durchsuchung angehalten. Zu meinem Erstaunen kannte der Inspektor den Bruder, der das Auto fuhr, und ließ uns ohne Kontrolle passieren. Ich sah darin Gottes Schutz.

Danach dachte ich über mich selbst nach und überlegte: „Warum habe ich solche Angst davor, festgenommen zu werden? Wenn ich dieses Problem nicht löse, ist nicht abzusehen, wann ich zu Fall kommen werde.“ Ich sah einen Abschnitt aus Gottes Worten: „Du musst für die Wahrheit Mühsal erleiden, du musst dich für die Wahrheit opfern, du musst für die Wahrheit Erniedrigungen ertragen, und um mehr von der Wahrheit zu erlangen, musst du dich noch mehr Leiden unterziehen. Das ist es, was du tun solltest. Du darfst die Wahrheit nicht um des Genusses der familiären Harmonie willen wegwerfen, und du darfst nicht um des vorübergehenden Genusses willen die Würde und Integrität deines ganzen Lebens verlieren. Du solltest all das anstreben, was schön und gut ist, und du solltest einen Lebensweg verfolgen, der bedeutungsvoller ist. Wenn du so ein banales und weltliches Leben führst und kein Ziel hast, nach dem du streben kannst, verschwendest du dann nicht dein Leben? Was kannst du von einem solchen Leben erlangen? Du solltest allen Freuden des Fleisches einer einzigen Wahrheit wegen entsagen und du solltest nicht alle Wahrheiten für ein wenig Vergnügen wegwerfen. Solche Menschen haben keine Integrität oder Würde. Es gibt keinen Sinn in ihrem Dasein!(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Die Erfahrungen von Petrus: Seine Erkenntnis über Züchtigung und Gericht). Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, erkannte ich, dass es das Wertvollste ist, für die Wahrheit zu leiden. Nur durch Widrigkeiten kann man die Wahrheit erlangen. Nehmen wir zum Beispiel die Brüder und Schwestern, die Folter ertragen haben. Sie erlebten die Folter und den unmenschlichen Missbrauch, entwickelten dadurch aber ein wahres Verständnis vom hässlichen Gesicht und dem bösen Wesen der Kommunistischen Partei und einen Hass auf sie, und ihre Herzen wurden standhafter darin, Gott zu folgen. Einige Brüder und Schwestern riefen, als sie an der Schwelle zum Tod standen, Gott an und wurden Zeugen Seines wunderbaren Schutzes, wodurch sie ein echtes Verständnis von Gottes Allmacht und Herrschaft gewannen und einen aufrichtigen Glauben entwickelten. Obwohl sie großes Leid ertrugen, legten sie Zeugnisse ab, die über Satan triumphierten. All diese Dinge hätten in einem angenehmen Umfeld nicht gewonnen werden können; ihr Leiden war von tiefer Bedeutung! Ich hatte die Wahrheit nicht verstanden und den Wert und die Bedeutung des Leidens nicht gekannt; ich hatte immer Angst vor fleischlichem Leid und mied die Situationen, die Gott für mich arrangiert hatte. Zeugte das nicht von meiner Blindheit und Unwissenheit? Ich dachte auch an diesen Abschnitt aus Gottes Worten: „Da wir ein Teil der Menschheit und gläubige Christen sind, ist es die Verantwortung und Verpflichtung von uns allen, unseren Geist und Leib zu opfern, damit Gottes Auftrag erfüllt wird. Denn unser komplettes Wesen kam von Gott und existiert dank Gottes Souveränität. Wenn unser Geist und unser Leib weder Gottes Auftrag noch der gerechten Sache der Menschheit gewidmet sind, dann werden unsere Seelen sich vor denen schämen, die für Gottes Auftrag zu Märtyrern wurden, und noch viel mehr vor Gott, der uns mit allem versorgt hat(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes. Anhang 2: Gott herrscht über das Schicksal der gesamten Menschheit). Mein Leben ist mir von Gott gegeben. Gott war es, der mich vor Ihn brachte und mir die Gelegenheit gab, nach der Wahrheit zu streben und Errettung zu empfangen. Als ein Mensch mit Gewissen und Vernunft sollte ich für Gott leben. Die Bücher mit Gottes Worten heute an einen anderen Ort zu bringen, war meine Verantwortung. Selbst wenn ich wirklich festgenommen würde und körperlich leiden müsste, musste ich meine Pflicht erfüllen. Ich dachte an die Heiligen im Laufe der Geschichte, die wegen ihres Zeugnisses für Gott verfolgt und zu Märtyrern wurden: Petrus wurde für Gott kopfüber gekreuzigt, Stephanus wurde gesteinigt, einige wurden mit dem Schwert getötet, in zwei Teile gesägt oder in siedendem Öl hingerichtet, und andere wurden mit Pferden gevierteilt. Sie alle gaben sich der gerechten Sache der Menschheit hin, was vor Gott niemals vergessen wird und eine glorreiche Tat ist. Wenn ich heute wegen der Umquartierung von Gottes Büchern festgenommen und eingesperrt würde, wäre das ebenfalls ein Leiden für die Gerechtigkeit. Als mir das klar wurde, fasste ich den Entschluss, mich gegen mein Fleisch aufzulehnen, und war bereit, bei dieser Pflicht mein Äußerstes zu geben.

Später erfuhr ich, dass einer der Festgenommenen zu einem Judas geworden war und der Polizei Hinweise zur Festnahme von Brüdern und Schwestern gab. Die Zahl der Festgenommenen war auf neunzehn gestiegen, und die Polizei besaß eine Liste und verwendete Fotos, damit der Judas die Personen identifizierte. Diese Brüder und Schwestern mussten sich schnell verstecken. Als ich solche Neuigkeiten hörte, dachte ich: „Die Lage ist so ernst geworden, sogar noch schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Wenn ich jetzt losziehe, um die Bücher umzuquartieren, werde ich sehr wahrscheinlich festgenommen. Kann ich die Folter der Polizei ertragen?“ Ich wusste, dass ich wieder einmal zaghaft und ängstlich war, also kniete ich mich schnell nieder, um zu beten: „Gott, als ich von der Situation der Kirche hörte, bekam ich wieder Angst. Ich fürchte mich davor, festgenommen zu werden und körperliches Leid ertragen zu müssen. Gott, bitte führe und leite mich, damit ich nicht nach meiner selbstsüchtigen und verachtenswerten verdorbenen Disposition lebe und diese Pflicht zu Ende führe.“ In diesem Moment erinnerte ich mich an diese Worte Gottes: „Auf dem Weg nach Jerusalem erlitt Jesus Qualen, als würde in Seinem Herzen ein Messer herumgedreht, und dennoch hatte Er nicht die geringste Absicht, umzukehren; stets trieb Ihn eine starke Kraft vorwärts, dorthin, wo Er gekreuzigt werden würde. Schließlich wurde Er ans Kreuz geschlagen und wurde zum Abbild des sündigen Fleisches und vollendete somit das Werk der Erlösung der Menschheit. Er überwand alle Einschränkungen des Todes und des Hades. Vor Ihm verloren Tod, Hölle und Hades ihre Macht und wurden von Ihm bezwungen(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Wie man im Einklang mit Gottes Absichten dient). Als der Herr Jesus das Kreuz nach Golgatha trug, wurde Er schwer geschlagen, Sein Körper war voller Blutergüsse und Sein Gesicht war blutüberströmt; Er litt große Qualen. Dennoch zeigte Er keinerlei Anzeichen von Reue. Um die gesamte Menschheit zu erlösen, ertrug Er bereitwillig diese Leiden und wurde gekreuzigt. Am Ende besiegte Er Satan und vollendete das Werk der Erlösung der gesamten Menschheit. Der Herr Jesus, der sich des immensen Leidens, das die Kreuzigung erforderte, voll bewusst war, wich nicht zurück. Selbst wenn es bedeutete, dass Er selbst Leid ertragen musste, nahm Er es auf sich, um die Menschheit von der Sünde zu erretten. Als ich darüber nachdachte, fühlte ich mich tief inspiriert. Dann dachte ich über mich selbst nach und mir wurde klar, dass ich angesichts von Gefahr und Drangsal immer wieder zurückwich, und mein Verhalten war so verachtenswert und gemein! Mit der Situation, der ich heute gegenüberstand, wurde ich auch auf die Probe gestellt, um zu zeigen, ob ich in diesem entscheidenden Moment Gott oder mir selbst gegenüber treu sein würde. Ich durfte nicht länger selbstsüchtig sein und nur auf mein eigenes Fleisch Rücksicht nehmen; ich musste dem Beispiel des Herrn Jesus folgen. Selbst wenn es bedeutete, festgenommen, eingesperrt oder zu Tode gefoltert zu werden, musste ich die Bücher mit Gottes Worten umquartieren. Gott auch nur ein einziges Mal zufriedenzustellen, wäre es wert. Bei diesem Gedanken spürte ich, wie neue Kraft meinen ganzen Körper durchströmte, und ich war voller Energie, um diese Aufgabe auszuführen. Ich wusste, dass dies alles von Gott gegeben war, und ich war zutiefst dankbar.

Danach brachten wir die Bücher aus drei Häusern sicher an einen anderen Ort. Als wir die Bücher aus dem vierten Haus umquartierten, war es bereits nach Mitternacht. Im Haus eines Nachbarn gab es zwei Hunde, die bei jedem Geräusch unaufhörlich bellten. Ich war so nervös, dass mir das Herz bis zum Hals schlug, aus Angst, die Nachbarn könnten uns entdecken und die Polizei rufen. In meinem Herzen rief ich ständig Gott an. Zu meiner Erleichterung kamen die Nachbarn nicht heraus, nachdem wir das Auto fertig beladen hatten. Als ich diesen Schutz Gottes sah, dankte ich Ihm inständig. So gelang es uns, die Bücher aus vier Aufbewahrer-Häusern erfolgreich und sicher ohne Zwischenfälle umzuquartieren. Auf dem Rückweg sprachen wir über unsere Erfahrungen, und die Freude, die wir empfanden, war unbeschreiblich.

Durch diese Erfahrung gewann ich ein gewisses Verständnis von Gottes Allmacht und Herrschaft. Angefangen dabei, dass meine Mutter an dem Tag umzog, als die Brüder und Schwestern festgenommen wurden, bis hin dazu, dass mein Bruder mir half, die Lage zu verstehen, und dass wir die Kontrollpunkte reibungslos passierten – all das stand unter Gottes Herrschaft und Anordnung. Dass die Bücher diesmal sicher umquartiert werden konnten, war allein Gottes Führung zu verdanken. Ohne die Erleuchtung durch Gottes Worte und die Kraft, die Gott mir schenkte, wäre ich nicht in der Lage gewesen, mich gegen mein Fleisch aufzulehnen, und mir hätte der Glaube gefehlt, um diese Aufgabe auszuführen. Das alles war das Ergebnis von Gottes Worten.

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