58. Ist „Toleranz gegenüber anderen“ wirklich ein Zeichen guter Menschlichkeit?
2022 bewässerte ich Neulinge in der Kirche und mir fiel auf, dass die Kirchenleiterin Liu Jing sich nur auf ihre Hauptaufgaben konzentrierte. Sie kümmerte sich kaum um andere Aufgaben und arbeitete auch nicht harmonisch mit der anderen Leiterin, Schwester An Xin, zusammen, was die Kirchenarbeit oft verzögerte. Später wurde Liu Jing entlassen und ich wurde zur Kirchenleiterin gewählt. Insgeheim dachte ich mir: „Ich muss harmonisch mit An Xin zusammenarbeiten, um den Brüdern und Schwestern zu zeigen, dass ich ganz sicher nicht so kleinlich und engstirnig sein werde wie Liu Jing, die sich nur auf ihre eigenen Hauptaufgaben konzentriert, ohne sich um andere Aufgaben zu kümmern.“ Um effizienter zu arbeiten, teilten wir die Aufgaben auf. Ich war hauptsächlich für die Evangeliums- und die Textarbeit zuständig, während An Xin sich vor allem um die Bewässerungs- und die Bereinigungsarbeit kümmerte. Damit die Brüder und Schwestern sahen, dass ich eine gute Menschlichkeit besaß und verständnisvoll war, übernahm ich außerdem von mir aus noch einige allgemeine Aufgaben. Danach verbrachte ich meine Zeit entweder mit allen in Versammlungen oder damit, mich um die Evangeliums- und die Textarbeit zu kümmern. Allmählich fiel mir auf, dass An Xin bei ihren Pflichten ein geringers Gefühl der Bürde hatte als zuvor. Einige Aufgaben erledigte sie nur oberflächlich, ohne sie richtig nachzuverfolgen. Ich wollte sie darauf ansprechen, dachte dann aber: „Niemand ist perfekt. Jeder ist bei seinen Pflichten mal oberflächlich. Ich sollte die Messlatte bei ihr nicht zu hoch anlegen. Schließlich würde es so wirken, als wäre ich zu streng, wenn ich darauf hinweise. Ich bleibe einfach länger wach und kümmere mich um die Aufgaben, die sie hat liegen lassen.“ Also übernahm ich die ganze Arbeit, die sie nicht erledigt hatte. In dieser Zeit wollte ich eigentlich mehr über die Grundsätze der Evangeliumsverkündigung lernen, hatte aber nicht genug Zeit dazu. Das widerstrebte mir etwas, aber ich wollte nicht, dass An Xin dachte, ich würde mich nur um meine eigenen Aufgaben kümmern, also zwang ich mich durchzuhalten.
Nach einer Weile sah ich, dass An Xin bei ihren Pflichten immer weniger ein Gefühl der Bürde hatte und es auch nicht eilig hatte, Informationen über bestimmte Leute zu sammeln, die entfernt werden sollten. Es war gerade eine arbeitsreiche Zeit für die Evangeliumsarbeit. Wenn ich mich jetzt auch noch um die Bereinigungsarbeit kümmern würde, könnte ich die Evangeliumsarbeit nicht gut bewältigen. Also erinnerte ich An Xin daran, die Informationen so bald wie möglich zusammenzutragen. Doch sie schien es immer noch nicht eilig zu haben. Ich überlegte, mit ihr darüber Gemeinschaft zu halten, befürchtete aber, sie könnte mir das übelnehmen, wenn ich zu viel sagte. Also schluckte ich meine Worte hinunter. Außerdem wollte ich, dass An Xin einen Teil der allgemeinen Aufgaben in der Kirche übernimmt, damit ich etwas Zeit für die Evangeliumsarbeit hätte. Doch dann dachte ich: „An Xin ist älter als ich und nicht bei bester Gesundheit. Wenn ich sie bitte, mehr Arbeit zu übernehmen, wirkt das, als hätte ich kein Verständnis für ihre Schwierigkeiten und keine Liebe. Dann mache ich lieber selbst etwas mehr. Die Erschöpfung werde ich schon ertragen.“ Innerlich sträubte ich mich sehr, aber ich hatte Angst, die Brüder und Schwestern würden mich für kleinlich halten, wenn ich diese Gefühle aussprach. Ich dachte: „Was würden sie dann über mich sagen? Ich lasse es einfach gut sein und gebe bei der Arbeit, um die ich mich kümmern kann, einfach mein Bestes!“ In den folgenden Tagen blieb ich oft lange wach, und mit der Zeit kochte meine unterdrückte Unzufriedenheit hoch. Aber dann dachte ich, da ich mich ja um die ganze Arbeit kümmerte, dass An Xin sicher finden würde, ich hätte eine gute Menschlichkeit, also hielt ich mich zurück. Genauso verhielt ich mich auch im Umgang mit anderen Brüdern und Schwestern. Einige von ihnen verstanden die Sache mit den Computersicherheitseinstellungen und Software-Updates nicht. Sie hätten es zwar leicht durch Tutorials lernen können, warteten aber lieber darauf, dass ich ihnen beim Einrichten half. Ich beklagte mich insgeheim: „Ich habe als Leiterin so viel zu tun. Warum macht ihr das nicht selbst, anstatt auf meine Hilfe zu warten?“ Aber ich traute mich nicht, sie auf ihre Probleme hinzuweisen. Ich hatte Angst, dass ich dadurch zu kleinlich und pingelig wirken und sie einen schlechten Eindruck von mir bekommen würden. Also beschloss ich, ihnen, wenn möglich, noch etwas mehr zu helfen. Auf diese Weise gab ich anderen immer nach und ging Kompromisse ein. Ich stellte strenge Anforderungen an mich selbst, war aber tolerant gegenüber anderen. Die Brüder und Schwestern wurden sehr abhängig von mir, also hielt ich mich für jemanden mit guter Menschlichkeit, der nicht kleinlich war und mit jedem zusammenarbeiten konnte. Besonders, wenn ich die Brüder und Schwestern sagen hörte, ich sähe sehr müde und beschäftigt aus, fühlte ich mich innerlich getröstet und dachte, mein Leiden hätte sich gelohnt. In den folgenden Monaten übernahm ich alle möglichen Aufgaben in der Kirche. Dadurch blieb mir keine Zeit für Andachten und ich konnte mich nicht mehr um die Evangeliumsarbeit kümmern. Infolgedessen trat niemand in die Grundsätze der Evangeliumsverkündigung ein, Abweichungen in der Arbeit blieben unbemerkt und die Evangeliumsarbeit brachte keine Ergebnisse. Auch An Xin kam mit der Bereinigungsarbeit nur schleppend voran und die Probleme mit den Bewässerern wurden weder nachverfolgt noch gelöst. Als ich das sah, fühlte ich mich innerlich sehr besorgt und hilflos. An diesem Punkt trat ich vor Gott, um zu beten. „Gott, ich habe in meinen Pflichten als Leiterin einen hohen Preis gezahlt, doch die Arbeit hat keine Ergebnisse gebracht. Bitte erleuchte und führe mich, damit ich meine Probleme erkenne.“
Eines Tages stieß ich auf eine Passage von Gottes Worten: „Lasst uns nun Gemeinschaft über den nächsten Spruch über moralisches Verhalten halten – ‚Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant‘ – was bedeutet dieser Spruch? Er bedeutet, dass man an sich selbst strenge Anforderungen stellen und gegenüber anderen Menschen nachsichtig sein sollte, damit sie sehen können, wie großzügig und großherzig du bist. Warum sollten Menschen das dann also tun? Was soll dadurch erreicht werden? Ist es machbar? Ist es wirklich ein natürlicher Ausdruck der Menschlichkeit der Menschen? Du musst selbst so viele Kompromisse eingehen, um dies in Angriff zu nehmen! Du darfst keine Wünsche und Ansprüche haben, du musst dir abverlangen, weniger Freude zu empfinden, etwas mehr zu leiden, einen höheren Preis zu zahlen und mehr zu arbeiten, damit andere sich nicht aufreiben müssen. Und wenn andere jammern, sich beschweren oder schlechte Leistungen erbringen, darfst du nicht zu viel von ihnen verlangen – mehr oder weniger ist gut genug. Die Menschen halten dies für ein Zeichen einer edlen Moral – aber warum klingt das für Mich falsch? Ist es nicht falsch? (Doch.) Unter normalen Umständen ist der natürliche Ausdruck der Menschlichkeit eines gewöhnlichen Menschen, sich selbst gegenüber tolerant und anderen gegenüber streng zu sein. Das ist eine Tatsache. … Wenn man von den Menschen erwartet, dass sie der Idee gerecht werden, ‚sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant‘ zu sein, welchen Qualen müssen sie sich dann aussetzen? Könnten sie das wirklich ertragen? Wie viele Menschen würden das schaffen? (Keiner.) Und warum ist das so? (Die Menschen sind von Natur aus egoistisch. Sie handeln nach dem Prinzip, dass „Jeder für sich und den Letzten holt der Teufel“ gilt.) Tatsächlich ist der Mensch selbstsüchtig geboren, der Mensch ist ein selbstsüchtiges Geschöpf und ist stark der satanischen Philosophie verpflichtet: ‚Jeder für sich und den Letzten holt der Teufel.‘ Die Menschen glauben, dass es für sie katastrophal und unnatürlich wäre, nicht selbstsüchtig zu sein und auf sich selbst zu achten, wenn ihnen etwas widerfährt. Das ist es, was die Menschen glauben und wie sie handeln. Wenn von den Menschen erwartet wird, dass sie nicht egoistisch sind, dass sie strenge Anforderungen an sich selbst stellen und dass sie eher bereit sind, Verluste zu erleiden, anstatt andere auszunutzen, ist das dann eine realistische Erwartung? Wenn von den Menschen erwartet wird, dass sie, wenn sie von jemandem ausgenutzt werden, fröhlich sagen: ‚Du nutzt mich aus, aber ich mache kein Aufhebens deswegen. Ich bin ein toleranter Mensch, ich werde dich nicht schlecht machen oder versuchen, mich an dir zu rächen, und wenn du mich noch nicht genug ausgenutzt hast, kannst du gerne weitermachen‘ – ist das eine realistische Erwartung? Wie viele Menschen könnten das schaffen? Verhält sich die verdorbene Menschheit normalerweise so? Dies zu erreichen, wäre offensichtlich anormal. Warum ist das so? Weil Menschen mit verdorbenen Dispositionen, insbesondere egoistische und gemeine Menschen, für ihre eigenen Interessen kämpfen, und an andere zu denken wird sie absolut nicht zufriedenstellen. Daher ist dieses Phänomen, wenn es denn eintritt, eine Anomalie. ‚Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant‘ – dieser Anspruch an das moralische Verhalten ist offensichtlich nur eine Forderung, die weder den Tatsachen noch der Menschlichkeit entspricht und die von sozialen Moralisten, die die Menschlichkeit nicht verstehen, an den Menschen gestellt wird. Es ist, als würde man einer Maus sagen, sie dürfe keine Löcher machen, oder einer Katze, sie dürfe keine Mäuse fangen. Ist es richtig, eine solche Forderung zu stellen? (Nein. Sie verstößt gegen die Gesetze der Menschlichkeit.) Diese Forderung entspricht eindeutig nicht der Realität und ist sehr hohl“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (6)). Gott sagt, dass die menschliche Natur von Grund auf egoistisch ist, dass die Menschen ständig ihre eigenen Interessen verfolgen und darüber nachdenken und dass sie im Umgang mit anderen nur versuchen, Gewinne zu erzielen und Verluste zu vermeiden. Das allein zeigt schon, dass verdorbene Menschen im Grunde gar nicht in der Lage sind, „streng mit sich selbst und anderen gegenüber tolerant“ zu sein. Ich dachte an meine Zusammenarbeit mit An Xin bei unseren Pflichten. Als ich bemerkte, dass sie es nicht eilig hatte, die Unterlagen über die zu entfernenden Personen zusammenzutragen oder zu ordnen, wollte ich sie unbedingt darauf hinweisen. Doch ich hatte Angst, sie würde sagen, ich sei zu anspruchsvoll und nicht rücksichtsvoll. Um allen zu zeigen, dass ich wirklich großzügig und keine kleinliche Person war, habe ich ihr Verhalten immer wieder geduldet, mich selbst streng dazu angehalten, mehr zu tun, wann immer ich konnte, und mich jeden Tag beschäftigt. Dadurch blieb mir keine Zeit für Andachten, und auch die Evangeliumsarbeit, für die ich in erster Linie verantwortlich war, brachte keinerlei Ergebnisse. Nach außen hin schien ich mich zwar an den Grundsatz „Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant“ zu halten, doch als meine fleischlichen Interessen zu kurz kamen, spürte ich Unmut und Widerwillen und war sogar voller Klagen. Ich setzte auch eine Fassade der Großzügigkeit auf. Da wurde mir wirklich klar, dass der Ausspruch „Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant“ zutiefst heuchlerisch und absolut nicht die Wahrheit war. Nach diesem moralischen Grundsatz zu leben, hatte mich körperlich und seelisch völlig erschöpft.
Danach trat ich vor Gott, um weiter über mich selbst nachzudenken, und las eine weitere Passage von Gottes Worten: „Man kann mit Sicherheit sagen, dass die meisten Menschen, die von sich selbst verlangen, die Moral ‚Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant‘ zu erfüllen, sehr auf Status bedacht sind. Von ihren verdorbenen Dispositionen getrieben, können sie nicht anders, als nach Prestige bei anderen Menschen, sozialem Ansehen und Status in den Augen der anderen zu streben. Alle diese Dinge hängen mit ihrem Wunsch nach Status zusammen und werden unter dem Deckmantel ihres guten moralischen Verhaltens angestrebt. Und wie kommt es zu den von ihnen angestrebten Dingen? Sie kommen gänzlich von ihren verdorbenen Dispositionen und werden von diesen angetrieben. In jedem Fall kann also dies, ob jemand die Moral ‚Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant‘ erfüllt oder nicht, und ob er es meisterhaft tut oder nicht, seine Menschlichkeitsessenz überhaupt nicht ändern. Indirekt bedeutet das auch, dass dies in keiner Weise seine Ansichten über das Leben oder sein Wertesystem verändern oder seine Einstellungen und Perspektiven zu allen möglichen Menschen, Ereignissen und Dingen lenken kann. Ist das nicht der Fall? (Das ist es.) Je mehr jemand in der Lage ist, streng mit sich selbst und tolerant gegenüber anderen zu sein, desto besser ist er in der Lage, sich zu verstellen und sich zu tarnen. Je besser es jemandem gelingt, andere mit gutem Benehmen und angenehmen Worten in die Irre zu führen, desto hinterlistiger und niederträchtiger ist er von Natur aus. Je mehr er diese Art von Mensch ist, desto tiefer sind seine Liebe für Status und Macht sowie sein Streben danach. Wie großartig, prächtig und richtig sein äußeres moralisches Verhalten auch zu sein scheint und wie angenehm es auch für Menschen anzusehen ist, so können doch das unaussprechliche Streben in den Tiefen seines Herzens, seine Wesensnatur und sogar seine Ambitionen jederzeit von ihm offengelegt werden. Daher gilt: So gut sein moralisches Verhalten auch ist, es kann weder seine eigentliche Menschlichkeitsessenz noch seine Ambitionen und Begierden verbergen. Es kann seine abscheuliche Wesensnatur, die positive Dinge nicht liebt und der Wahrheit gegenüber abgeneigt ist und diese hasst, nicht verbergen. Wie diese Tatsachen zeigen, ist der Spruch ‚Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant‘ mehr als nur absurd – er entlarvt jene ehrgeizigen Menschentypen, die versuchen, solche Sprüche und Verhaltensweisen zu benutzen, um ihre unaussprechlichen Ambitionen und Begierden zu verbergen“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (6)). Gottes Worte entlarvten mein wahres Ich. Ich dachte darüber nach, wie ich die Leiterrolle voller Ehrgeiz und mit dem Wunsch übernommen hatte, in den Herzen der Brüder und Schwestern ein gutes Bild von mir aufzubauen. Als ich sah, dass An Xin bei ihrer Pflicht kein Gefühl der Bürde hatte, habe ich sie weder entlarvt noch ihr geholfen. Stattdessen ließ ich sie gewähren und übernahm die Arbeit, die sie hatte liegen lassen, einfach selbst. Dabei nutzte ich mein scheinbar gutes Verhalten nur als Vorwand, um großzügig zu wirken. Als ich sah, dass die Brüder und Schwestern sich nicht proaktiv Computerkenntnisse aneigneten, sondern passiv darauf warteten, dass ich es für sie erledigte, wollte ich sie auf ihre Probleme hinweisen. Aber ich hatte Angst, sie würden mich für rücksichtslos halten, also gab ich einfach immer wieder nach. Als meine Kraft am Ende war und ich es seelisch nicht mehr aushielt, wurde ich verbittert und erschöpft. Ich spürte Verärgerung und großen Widerwillen. Doch damit alle sahen, dass ich nicht kleinlich, sondern rücksichtsvoll, tolerant und immer auf andere bedacht war, ertrug ich all das und wies sie nicht auf ihre Probleme hin. Das führte letztlich dazu, dass ich meine eigenen Hauptaufgaben nicht gut erfüllen konnte. Das alles tat ich nur, um mein Ansehen und meinen Status in den Herzen der Leute zu schützen. Ich war wirklich zutiefst heuchlerisch!
Später las ich Gottes Worte und erlangte ein neues Verständnis von mir selbst. Gott sagt: „Einige erscheinen in ihrem Glauben an Gott ziemlich enthusiastisch. Sie kümmern sich gern um die Belange der Kirche, befassen sich gern damit und eilen immer voraus. Und dennoch sind sie, unerwarteterweise, für jeden eine Enttäuschung, sobald sie Leiter werden. Sie konzentrieren sich nicht darauf, die praktischen Probleme von Gottes auserwähltem Volk zu lösen, sondern tun stattdessen ihr Möglichstes, um etwas für ihren eigenen Ruf und Status zu tun. Sie tun sich gern hervor, damit andere sie schätzen, und sie reden immer darüber, wie sie sich für Gott aufwenden und für Ihn leiden, doch sie bemühen sich nicht, nach der Wahrheit und ihrem Lebenseintritt zu streben. Das ist nicht das, was irgendwer von ihnen erwartet. Obwohl sie mit ihrer Arbeit zugange sind, sich bei jeder Gelegenheit hervortun, ein paar Worte und Glaubenslehren predigen, die Wertschätzung und Verehrung einiger Leute gewinnen, die Herzen der Menschen irreführen und ihren Status festigen, was kommt am Ende dabei heraus? Egal, ob diese Menschen andere mit kleinen Gefälligkeiten bestechen oder mit ihren Gaben und Fähigkeiten prahlen oder Menschen mit verschiedenen Methoden in die Irre führen und sie dadurch dazu bringen, dass sie eine gute Meinung von ihnen haben, was haben sie verloren, ganz gleich, mit welcher Methode sie die Herzen der Menschen für sich gewinnen und einen Platz darin einnehmen? Sie haben die Chance verspielt, die Wahrheit zu erlangen, während sie die Pflichten eines Leiters ausführen. Gleichzeitig haben sie aufgrund dessen, was sich alles in ihnen manifestiert, auch böse Taten angesammelt, die ihr ultimatives Ende herbeiführen werden. Egal, ob sie Menschen mit kleinen Gefälligkeiten bestechen und umgarnen oder ob sie protzen oder eine Fassade aufsetzen, um Menschen in die Irre zu führen, und ganz gleich, wie viele Vorteile und wie viel Befriedigung sie nach außen hin daraus zu ziehen scheinen, ist dieser Weg, wenn man sich das nun ansieht, ein richtiger? Ist er der Weg des Strebens nach der Wahrheit? Ist er ein Weg, der dazu führen kann, dass man errettet wird? Das ist er eindeutig nicht. Egal, wie clever diese Methoden und Tricks sind, sie können Gott nicht täuschen, und Gott verdammt und verabscheut sie letztlich alle, weil hinter so einem Verhalten ungezügelte menschliche Ambitionen stecken und eine feindselige Einstellung zu Gott und ein Wesen, das Gott feindselig gegenübersteht. Im Herzen würde Gott diese Menschen nie als die erkennen, die ihre Pflichten tun, und sie stattdessen als Übeltäter charakterisieren. Was hat Gott für den Umgang mit Übeltätern festgelegt? ‚Weichet alle von Mir, ihr Übeltäter!‘ Wenn Gott sagt, ‚Weichet von Mir‘, wohin sollen solche Menschen Seiner Meinung nach gehen? Er liefert sie Satan aus, an die Orte, die von Scharen von Satanen bewohnt werden. Welche Folgen hat das letztlich für sie? Sie werden von bösen Geistern zu Tode gefoltert, das heißt, sie werden von Satan verschlungen. Gott will diese Menschen nicht, was bedeutet, dass Er sie nicht retten wird, dass sie nicht Gottes Schafe sind, geschweige denn Seine Anhänger, also sind sie nicht unter denen, die Er retten wird. So definiert Gott diese Menschen. Welche Natur steckt also genau dahinter, dass sie versuchen, die Herzen anderer für sich zu gewinnen? Sie gehen den Weg eines Antichristen; es ist das Verhalten und Wesen eines Antichristen. Noch gravierender ist ein Wesen, das mit Gott um Sein auserwähltes Volk wetteifert; solche Menschen sind Gottes Feinde. So charakterisiert und kategorisiert man Antichristen, und das ist völlig korrekt“ (Das Wort, Bd. 4, Antichristen entlarven: Punkt 1: Sie versuchen, die Herzen der Menschen für sich zu gewinnen). Gott enthüllt, dass die Menschen nicht nach der Wahrheit streben, und dass sie, nach der Übernahme von Führungsrollen, verschiedene Methoden und Tricks anwenden, um die Herzen der Menschen zu gewinnen und sie in die Irre zu führen. Sie scheinen verständnisvoll für die Schwierigkeiten anderer und einfühlsam zu sein, doch ihr eigentliches Ziel ist es, ihren Ruf und Status zu schützen und andere dazu zu bringen, zu ihnen aufzuschauen. Das ist der Weg der Antichristen. Was Gott hier enthüllte, entsprach genau meinem Zustand. Von Kindheit an war ich von dem Spruch beeinflusst worden: „Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant.“ Ich glaubte, dass man im Umgang mit anderen verständnisvoll und tolerant sein und mehr Rücksicht nehmen sollte. Selbst etwas Mühsal oder Erschöpfung zu ertragen, sei dabei nicht weiter schlimm und zeuge von einem edlen Charakter. Ich lebte nach der traditionellen Kultur Satans. Als ich sah, dass An Xin ihre Pflichten oberflächlich erfüllte, deckte ich das nicht auf, sondern übernahm sogar die Arbeit, die sie nicht nachverfolgt hatte. Infolgedessen verspürte sie bei ihren Pflichten immer weniger ein Gefühl der Bürde. Als ich sah, dass die Brüder und Schwestern faul waren und sich nicht die Mühe machen wollten, einige grundlegende Computereinstellungen selbst zu lernen, wies ich sie nicht nur nicht auf ihre Probleme hin, sondern erledigte es sogar für sie. Das führte dazu, dass sie sich in allem blind auf mich verließen. Um die Bewunderung der Brüder und Schwestern zu gewinnen, gab ich mich verständnisvoll, obwohl es mir innerlich total widerstrebte, und führte so andere in die Irre. Ich tat Dinge, um den fleischlichen Interessen der Leute entgegenzukommen und ihre Herzen für mich zu gewinnen. Dabei wurde ich immer niederträchtiger, hinterlistiger und heuchlerischer. Zwar gewann ich die Bewunderung der Leute, schadete damit aber der Kirchenarbeit und den Brüdern und Schwestern: Die Evangeliumsarbeit brachte schlechte Ergebnisse und die Bereinigungsarbeit verzögerte sich. Ich erfüllte nicht meine Pflichten; ich beging Böses. Ich beschritt den Weg eines Antichristen. Als mir das klar wurde, weinte ich und betete zu Gott: „Gott! Ich versuche ständig, meinen Status in den Herzen der Menschen zu schützen, und verzögere dadurch die Kirchenarbeit. Ich bin Deiner Errettung unwürdig. Ich möchte vor Dir Buße tun und meine Pflichten gewissenhaft ausführen.“ Später sprach ich offen mit An Xin über meinen Zustand der letzten Zeit und wies sie auf die Probleme hin, die ich bei ihr bemerkt hatte. Nachdem sie das gehört hatte, war sie bereit, über sich selbst nachzudenken und eine Lektion daraus zu lernen. Als ich An Xin das sagen hörte, fühlte ich mich einerseits schuldig, andererseits aber auch ein wenig getröstet. Ich fühlte mich schuldig, weil ich nach Satans traditioneller Kultur gelebt und An Xins Probleme zwar deutlich gesehen, sie aber nicht darauf angesprochen hatte. Zugleich war ich froh, weil ich unter der Führung von Gottes Worten endlich gegen mich selbst aufbegehren und die Wahrheit praktizieren konnte.
Danach trat ich vor Gott, um zu beten und nachzudenken. Mir wurde klar, dass ich im Umgang mit Schwester Li Yun, der Diakonin für allgemeine Angelegenheiten, ähnliche Probleme hatte. Ihrem Kaliber nach gab es einige Aufgaben, die sie gut hätte erledigen können. Doch sie gab ihrem Fleisch nach und war nicht bereit, sich anzustrengen. Ich bemerkte ihre Probleme, wies sie aber nicht darauf hin. Stattdessen gab ich ihrem Fleisch nach und dachte mir, ich würde einfach einen etwas höheren Preis zahlen und ein bisschen mehr tun, damit sie nicht sagen konnte, ich nähme keine Rücksicht auf sie. Ich erkannte, dass ich auch hier nach der traditionellen kulturellen Idee „Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant“ lebte. Ich wollte, dass sie mich für meine gute Menschlichkeit lobte. Also trat ich im Gebet vor Gott und bat Ihn, mich darin zu führen, mich gegen meine falschen Absichten aufzulehnen und mich gemäß Seinen Worten zu verhalten und zu handeln. Ich erinnerte mich an Gottes Worte: „Tu nicht immer Dinge für dich selbst und berücksichtige nicht ständig deine eigenen Interessen; denke nicht an deinen eigenen Stolz, Ruf und Status und denke auch nicht an deine persönlichen Interessen. Mehr als an alles andere musst du an die Interessen von Gottes Haus denken und sie zu deiner Priorität machen. Du solltest auf Gottes Absichten Rücksicht nehmen und vor allem darüber nachdenken, ob es bei der Ausführung deiner Pflicht Unreinheiten gab oder nicht, ob du hingebungsvoll gewesen bist, deinen Verantwortungen nachgekommen bist und alles gegeben hast, sowie ob du von ganzem Herzen an deine Pflicht und die Arbeit der Kirche gedacht hast oder nicht. Du musst über diese Dinge nachdenken“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Freiheit und Befreiung können nur erlangt werden, indem man seine verdorbenen Dispositionen ablegt). Gottes Worte gaben mir Grundsätze dafür, wie ich mich verhalten und Dinge tun sollte. Ich durfte meine Pflichten nicht nur zum Schein ausführen, sondern musste Gottes prüfenden Blick annehmen, meine Absichten korrigieren und die Kirchenarbeit an die erste Stelle setzen. Nur wenn ich so praktiziere, kann ich mit Gottes Absicht im Einklang stehen. Gott möchte, dass wir unsere jeweiligen Rollen erfüllen und bei unseren Pflichten harmonisch zusammenarbeiten, damit wir unsere Pflichten mit der Zeit immer besser ausführen können. Ich musste mich gegen meine falschen Absichten auflehnen und meine Brüder und Schwestern nach den Wahrheitsgrundsätzen behandeln. Bei Menschen mit gutem Kaliber gilt: Wenn sie ihre Arbeit gut machen könnten, es aber nicht tun, sondern nachlässig oder oberflächlich handeln, müssen ihre Probleme aufgezeigt und offengelegt werden, damit sie ihre Verdorbenheit erkennen, ihre Verantwortung erfüllen und sich mehr darin üben können. Brüder und Schwestern mit geringem Kaliber brauchen geduldige Hilfe und Unterstützung, wenn sie wirklich Schwierigkeiten haben, damit sie im Rahmen ihrer Fähigkeiten ihren Teil beitragen können. Indem ich so praktizierte, konnte ich meine Energie auf meine Hauptaufgaben konzentrieren, ohne die Evangeliumsarbeit zu verzögern. Eines Tages nach einer Versammlung ging ich auf Li Yun zu. Nachdem ich ihre tatsächlichen Schwierigkeiten verstanden hatte, erklärte ich ihr genau die Arbeit, die in ihren Verantwortungsbereich fiel, und wies sie auf ihre Probleme hin. Li Yun sagte: „Mir fehlte in letzter Zeit wirklich das Gefühl der Bürde bei meinen Pflichten. Dadurch, dass du mit mir darüber Gemeinschaft hältst, weiß ich jetzt, wie ich praktizieren soll, und bin bereit, meine Verantwortung zu übernehmen.“ Als ich Li Yuns Worte hörte, schämte ich mich zutiefst. Ich sah, dass es für die Kirchenarbeit nützlicher ist, den Brüdern und Schwestern dabei zu helfen, ihre Verantwortung zu erfüllen und bei ihren Pflichten ihre jeweilige Rolle einzunehmen.
Heute gehe ich nicht mehr auf der Grundlage der traditionellen kulturellen Idee „Sei streng mit dir selbst und anderen gegenüber tolerant“ mit meinen Brüdern und Schwestern um. Ich weise sie auf ihre Probleme hin und helfe ihnen, ohne zu versuchen, unsere fleischlichen Beziehungen zu schützen. Ich finde, es ist ein beruhigendes und befreiendes Gefühl, mich so zu verhalten. Diese Veränderungen sind alle ein Ergebnis von Gottes Wort. Dank sei dem Allmächtigen Gott!