6. Ein Dienst dieser Art ist wahrlich verachtenswert

Ding Ning    Heze City, Provinz Shandong

Während der letzten Tage hat die Kirche einen Arbeitswechsel für mich vorgesehen. Als man mir mein neues Aufgabengebiet zuwies, dachte ich: „Ich muss diese letzte Gelegenheit nutzen und ein Treffen mit meinen Brüdern und Schwestern einberufen, um mit ihnen klar und offen über einige Dinge zu sprechen und einen guten Eindruck zu hinterlassen, bevor ich gehe.“ Aus diesem Grund traf ich mich mit einigen Diakonen. Als sich die Zeit unseres Zusammenseins dem Ende neigte, sagte ich: „Ich wurde gebeten, diesen Ort hier zu verlassen und mich anderenorts einer anderen Tätigkeit zu widmen. Ich hoffe, ihr werdet die Vorsteherin akzeptieren, die meine Stelle einnehmen wird, und mit vereintem Herzen und Gesinnung mit ihr zusammenarbeiten.“ Sobald sie meine Worte vernommen hatten, erblassten einige der anwesenden Schwestern, und das Lächeln verschwand von ihren Gesichtern. Einige von ihnen ergriffen meine Hand, einige umarmten mich und sagten mit weinerlicher Stimme: „Du kannst uns nicht verlassen! Du kannst uns nicht im Stich lassen und unsere Bedürfnisse außer Acht lassen! …“ Insbesondere die Schwester der Gastfamilie war nicht gewillt, mich gehen zu lassen. Sie sagte zu mir: „Es ist so gut, dass du hier bei uns bist. Du bist jemand, der Entbehrungen ertragen kann, du bist gut darin, unserer Gemeinschaft die Wahrheit zu vermitteln. Wann auch immer wir dich gebraucht haben, du warst immer für uns da und hast uns geduldig geholfen. Wenn du gehst, was sollen wir dann machen? …“ Als ich sah, wie widerwillig sie sich von mir trennen wollten, war mein Herz erfüllt von Freude und Zufriedenheit. Ich tröstete sie mit den Worten: „Verlasst euch auf Gott. Wenn ich kann, werde ich zurückkommen und euch besuchen …“

Wann immer ich mir später die Verabschiedung von meinen Brüdern und Schwestern ins Gedächtnis rief, spürte ich Unbehagen in meinem Herzen. Ich fragte mich: „Waren solche Bekundungen von Traurigkeit nichts weiter als selbstverständlich? Warum hatten sie sich so verhalten, als ob mein Weggang eine so furchtbare Angelegenheit wäre? Warum hatte die Kirche einen Stellungswechsel für mich überhaupt vorgesehen?“ Mein Herz war getrübt von Zweifel, also trat ich auf der Suche nach Antworten häufig vor Gott. Eines Tages, während ich „Grundsätze, die verstanden werden müssen, um Gott dienen zu können“ las, stieß ich auf den Abschnitt: „Diejenigen, die Gott dienen möchten, müssen Gott unter allen Umständen erheben und Gottes Zeuge sein. Nur auf diese Weise können sie die Frucht erreichen, um andere dahingehend zu führen, damit sie Gott erkennen. Und nur indem sie Gott erheben und Zeugnis von Ihm ablegen, können sie andere in Gottes Gegenwart bringen. Das ist einer der Grundsätze des Dienstes an Gott. Die ultimative Frucht von Gottes Wirken ist genau die Tätigkeit, Menschen dazu zu führen, Gottes Wirken zu erkennen und dadurch in Seine Gegenwart zu gelangen. Wenn diejenigen in Führungspositionen Gott nicht erheben und nicht als Gottes Zeuge dienen, sondern sich selbst fortwährend in den Vordergrund stellen … dann nehmen sie tatsächlich eine selbstgefällige Haltung ein, die im Widerspruch zu Gott steht. … Tatsächlich konkurrieren sie mit Gott um die Seelen der Menschen. … Wenn es sich diese Menschen daher nicht zur Aufgabe machen, Gott zu erheben und Zeuge Gottes zu sein, dann stellen sie sich natürlich in den Vordergrund. Selbst wenn sie das Banner des Dienstes an Gott tragen, arbeiten sie in Wirklichkeit nur für ihr eigenes Ansehen; sie arbeiten tatsächlich für die Befriedigung des Fleisches. Deren Arbeit beinhaltet in keinster Weise die Erhebung Gottes oder Zeugnis von Ihm abzulegen. Wenn jemand diesen Grundsatz des Dienstes an Gott missachtet, dann beweist das nur, dass er Gott gegenüber Widerstand leistet“ („Grundsätze, die verstanden werden müssen, um Gott dienen zu können“ aus „Annalen über Gefolgschaft und Regelungen der Kirchenarbeit I“). Je mehr ich las, desto bekümmerter wurde mein Herz. Je mehr ich las, desto größer wurde meine Furcht. Ich spürte, dass sich meine Selbstvorwürfe um ein Vielfaches vergrößerten. Die Einstellung meiner Schwestern und Brüder mir gegenüber hatte mir klar vor Augen geführt, dass meine Tätigkeit nicht wirklich darin bestanden hatte, meine Schwestern und Brüder in die Gegenwart Gottes zu führen. Stattdessen hatte ich sie eher in meine eigene Gegenwart geführt. Jetzt musste ich unwillkürlich viele Situationen überdenken, die sich während der Zeit zugetragen hatten, die ich mit meinen Brüdern und Schwestern verbracht hatte. Oft hatte ich der Schwester in der Gastfamilie gesagt: „Seht, wie glücklich ihr euch alle schätzen könnt. Alle eure Familien sind gläubig. Wenn ich zuhause bin, misshandelt mich mein Ehemann den ganzen Tag lang. Wenn er mich nicht schlägt, dann verflucht er mich. Ich habe meine Pflicht bis zum Äußersten erfüllt, und seht, wie viel Bitterkeit ich für meinen Glauben an Gott ertragen habe.“ Wenn meine Brüder und Schwestern in Bedrängnis geraten waren, dann habe ich ihnen Gottes Willen nicht vermittelt; ich habe mich nicht als Zeuge von Gottes Arbeit und Gottes Liebe verhalten. Stattdessen habe ich ständig das Fleisch in den Vordergrund gestellt und versucht, die Menschen von meiner eigenen Güte und Fürsorglichkeit zu überzeugen. Immer dann, wenn ich einen Bruder oder eine Schwester dabei beobachtete, wie er oder sie gegen die Grundsätze verstieß, fürchtete ich mich davor, die betreffende Person auf diesen Verstoß hinzuweisen. Ich versuchte immer, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu beschützen. Bei allem, was ich tat, waren mir meine Stellung und mein Ansehen in den Herzen der Menschen am wichtigsten. … Es war immer mein Hauptziel, die Sympathie und die Bewunderung anderer zu gewinnen; das wurde zu meiner größten Befriedigung. Das offenbarte wahrlich, dass ich mich selbst erhob und als Zeuge meiner eigenen Person diente. All die Dinge, die ich tat, standen tatsächlich im Widerspruch zu Gott. Gottes Worte kamen mir in den Sinn, die besagten: „Ich wirke jetzt unter euch, aber ihr seid immer noch so. Wenn eines Tages niemand da ist, der sich um euch kümmert und über euch wacht, werdet ihr nicht alle zu Königen des Hügels werden?[a] Wer wird bis dahin das Durcheinander hinter euch aufräumen, wenn ihr eine riesige Katastrophe auslöst?“ (aus „Ein sehr ernstes Problem: Verrat (1)“ in Das Wort erscheint im Fleisch) Wieder einmal führten mich Gottes Worte zu der Erkenntnis, dass mein Dienst an Gott tatsächlich nichts anderes war, als Zeuge meiner selbst zu sein und mich selbst zu verherrlichen, und sie halfen mir die ernsten Konsequenzen dieses Verhaltens zu erkennen. Gottes Worte halfen mir, meine eigene Wesensart zu erkennen – wie die eines Erzengels, die mich zu einem tyrannischen Banditen werden lassen, und dass ich eine große Katastrophe verursachen würde. Ich dachte darüber nach, dass ich meinen Dienst an Gott nicht in Übereinstimmung mit den richtigen Grundsätzen, die diesen Dienst erforderten, verrichtet hatte; ich hatte Gott nicht erhoben, und ich war kein Zeuge Gottes gewesen; ich hatte meine Pflicht nicht erfüllt. Stattdessen hatte ich die Tage damit verbracht, mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, Zeuge meiner selbst zu sein und meine Brüder und Schwestern in meine Gegenwart zu ziehen. Ist diese Art Dienst nicht verachtenswert? Ist es nicht einfach der „Dienst“ eines Antichristen? Wenn Gott nicht so tolerant und gnädig wäre, hätte mich Gott schon längst verflucht und mich niedergeworfen.

Zu diesem Zeitpunkt zitterte ich vor Furcht und Scham; ein Gefühl von enormer Schuld überflutete mein Herz, und ich fiel auf meine Knie. Ich weinte bitterlich und flehte Gott an: „Oh Gott! Ohne Deine Offenbarung und Erleuchtung wüsste ich nicht, in welche Tiefen ich fallen würde. Ich habe Dir mehr zu verdanken, als ich jemals wieder gut machen könnte. Ich danke Dir für die Errettung, die Du mir anbietest! Ich danke Dir, dass ich durch Deine Hilfe mein hässliches und abscheuliches Innerstes in den Tiefen meiner Seele erkannt habe. Ich danke Dir, dass Du mir gezeigt hast, dass ich meinen Dienst an Dir in Wahrheit im Widerspruch zu Dir verrichtet habe. Würde man mich anhand meiner Handlungen richten, dann hätte ich nichts anderes verdient, als von Dir verflucht zu werden. Aber Du hast mich nicht entsprechend meiner Fehler behandelt. Stattdessen hast Du meine Augen geöffnet, mich geführt und mir die Gelegenheit gegeben, Buße zu tun und von vorn anzufangen. Oh Gott, ich bin bereit, diese Erfahrung als Lektion zu betrachten, die mich mein ganzes Leben begleiten soll. Mögen mich Deine Züchtigung und Dein Gericht immer begleiten. Mögen sie mir früh genug helfen, mein ursprüngliches, satanisches Ich abzulegen und mir dabei behilflich sein, ein wahrer, ehrfürchtiger Diener Gottes zu werden, sodass ich damit anfangen kann, Dir die große Schuld, die ich Dir schuldig bin, zu vergelten.“